Alles über Shopping im Ausland!
Das Internet eröffnet völlig neue Shopping-Dimensionen. Sie können Kleidung in den USA bestellen, Rotwein in Frankreich und eine Waschmaschine in den Niederlanden – und das alles in einer halben Stunde. Sitzt der Händler im Ausland, sind aber auch einige Besonderheiten zu beachten. Wir haben die wichtigsten Punkte für Sie zusammengefasst, die Sie berücksichtigen sollten um Ihr weltweites Shoppingerlebnis nicht zu trüben.
Das sollten Sie beachten, wenn Sie in ausländischen Shops einkaufen …
Welches Recht gilt?
Die Antwort auf diese Frage gestaltet sich etwas komplizierter: In der gesamten EU gilt die sogenannte Rom I-Verordnung. Diese bestimmt, welches Recht bei grenzüberschreitenden Sachverhalten Anwendung findet. Danach gilt zwar grundsätzlich das Recht des Staates, in dem der Verkäufer seinen gewöhnlichen Aufenthaltsort hat. Bestellt aber ein Verbraucher bei einem Unternehmer, der seine Tätigkeit auf den Verbraucherstaat ausgerichtet hat, so findet auch das Recht des Verbraucherstaates Anwendung. Diese „Ausrichtung“ wäre etwa gegeben, wenn ein französischer Unternehmer seinen Online-Shop auch in deutscher Sprache anbietet und Deutschland als Lieferland auswählbar ist.
Dies bedeutet, dass nicht in jedem Fall deutsches Recht gilt, wenn Sie in einem ausländischen Online-Shop bestellen. Richtet sich der Shop aber erkennbar auf deutsche Verbraucher aus, so können auch die deutschen Verbraucherschutzregeln Anwendung finden.
Rechtswahl begrenzt möglich
Gelegentlich enthalten AGB Rechtswahlklauseln wie „Es gilt deutsches/polnisches/… Recht.“ Diese sind nicht per se unzulässig, dürfen dem Verbraucher aber nicht den Schutz entziehen, der ihm nach den Verbraucherschutzvorschriften seines Heimatlandes zusteht. Bestellt nach dem obigen Beispiel ein deutscher Verbraucher bei dem französischen Shop, der auf Deutschland ausgerichtet ist, so bleibt diesem der deutsche Verbraucherschutzstandard als Mindestschutz erhalten. Wenn der Unternehmer ein anderes Recht vereinbaren möchte, so kann er dies nur, soweit es den Verbraucher besser stellt als das deutsche.
Würden Sie etwa bei dem französischen, auf Deutschland ausgerichteten Shop bestellen, der aber französisches Recht vereinbart, so stünde Ihnen dennoch die 14tägige deutsche anstatt der französischen, 7 Werktage dauernden Widerrufsfrist zu.
Rechtsvereinheitlichung ab 2014
Die EU hat eine Verbraucherrechterichtlinie verabschiedet, deren Regelungen nun in nationales Recht umgesetzt werden müssen. Sie regelt rechtsvereinheitlichend für alle EU-Staaten Ihre Rechte u.a. bei Fernabsatzverträgen. Die Vorschriften müssen spätestens ab dem 13. Juni 2014 angewendet werden und enthalten folgende Bestimmungen:
- Ihnen steht ein 14tägiges Widerrufsrecht zu
- Sie haben immer die Rücksendekosten zu tragen, wenn Sie vom Unternehmer hierüber informiert worden sind
- der Unternehmer trägt die Hinsendekosten
Kauf innerhalb der EU
Der Vorgänger der Verbraucherrechterichtlinie, die Fernabsatzrichtlinie von 1997, legt derzeit schon bestimmte Mindestrechte für Verbraucher fest. Sie können daher sicher sein, dass Ihnen in der gesamten EU ein Widerrufsrecht von mindestens 7 Werktagen zusteht. Im Falle eines Widerrufs hat übrigens immer der Händler die Hinsendekosten zu tragen – dies hat der europäische Gerichtshof entschieden. Die Tragung der Rücksendekosten ist hingegen in den Mitgliedstaaten unterschiedlich geregelt. Während in Deutschland die Rücksendekosten bis nur zu einem Warenwert von 40 Euro dem Verbraucher auferlegt werden können, ist dies in Dänemark und Großbritannien generell möglich, in Finnland trägt sie hingegen immer der Händler.
Versandkosten immer hinzurechnen
Achten Sie bei Auslandsbestellungen auch auf das anfallende Porto. Diese können sich gerade beim Auslandsversand erheblich auf den zu zahlenden Preis auswirken, sodass vermeintliche Schnäppchen unter Umständen gar nicht mehr so günstig sind.
Auch sollten Sie berücksichtigen, dass der Versand aus dem Ausland meist länger dauert als wenn Sie bei einem deutschen Händler bestellen. Insbesondere, wenn Sie die Ware zu einem bestimmten Termin benötigen, sollten Sie hier abwägen.
Einfuhrabgaben beachten
Bei der EU handelt es sich um eine Zollunion, d. h. es fallen grundsätzlich keine Zölle an. Jedoch können bei einigen Genussmitteln wie Zigaretten, Kaffee oder Wein auch innerhalb der EU besondere Verbrauchssteuervorschriften zu beachten sein.
Attraktive Angebote locken jedoch auch im Nicht-EU-Ausland. Werden Waren von außerhalb in die Europäische Union eingeführt, so können Einfuhrabgaben anfallen. Hierzu zählen Zölle, aber auch die Einfuhrumsatzsteuer und besondere Verbrauchssteuern (z.B. die Branntwein- oder Tabaksteuer). Die Einfuhrumsatzsteuer entspricht weitgehend der MwSt (also 7 bzw. 19%), der Zolltarif richtet sich nach der jeweiligen Ware.
Warenwert beachten
Warensendungen mit einem Wert von unter 22 Euro sind von Zoll und Einfuhrumsatzsteuer befreit, Warensendungen bis zu einem Wert von 150 Euro zollfrei. Dies gilt übrigens nicht für die besonderen Verbrauchssteuern. Die Bemessungsgrundlage ist der Zollwert. Zu diesem gehört bei Einfuhren zu kommerziellen Zwecken auch das Porto. Mehr Infos finden Sie hier.
Bei der Einfuhr aus bestimmten Ländern in die EU werden Zollpräferenzen gewährt. Dies bedeutet, dass nur geringere Abgaben anfallen. Zollpräferenzen bestehen u.a. bei vielen Mittelmeerstaaten wie Ägypten, der Türkei oder Tunesien. Island, Liechtenstein und Norwegen zählen zum Europäischen Wirtschaftsraum, deshalb fallen hier keine Zölle an. Keine Zollbegünstigungen werden hingegen bei Ländern wie den USA, Kanada, Australien, Singapur oder Japan gewährt.
Fazit
Online-Shopping im Ausland birgt einige Besonderheiten, auf die Sie achten sollten, um im Nachhinein keine bösen Überraschungen zu erleben. Dann können Sie auch über die Landesgrenzen hinaus auf Schnäppchenjagd gehen. Übrigens: Trusted Shops ist nicht nur in Deutschland vertreten, auch in vielen anderen Ländern gibt es zertifizierte Shops (z.B. in Polen, Frankreich oder Großbritannien). Mit dem Käuferschutz können Sie daher auch im Ausland beruhigt einkaufen.



