Schlafsack für Camping und Outdoor: Gut gerüsted in die Nacht

schlafsäckeEin wirklich angenehmes Erlebnis ist eine Nacht draußen nur, wenn der Körper nicht friert. Schlafsäcke bieten in Ruhephasen die effektivste Möglichkeit, die Körperwärme zu halten. Denn bei extremeren Temperaturen kann Auskühlung sogar zum lebensbedrohenden Faktor werden. Und außerdem: Was wäre eine große Tour, ohne sich morgens aus dem Schlafsack zu wühlen und den ersten Kaffee in der Morgensonne aufzukochen?

Um dieses Erlebnis entspannt zu genießen, verrät Bergfreunde.de worauf Sie beim Kauf eines Schlafsacks achten müssen.

Die folgenden Tipps für den Kauf des richtigen Schlafsacks wurden vom Online-Shop Bergfreunde.de zusammengestellt.

Grundlagen: Isolierfähigkeit ist entscheidend

Während Zelt oder Biwaksack vor allem vor Wind und Niederschlägen schützen, bewahren Schlafsäcke vor zu großem Wärmeverlust. Aus unterschiedlichen Einsatzbereichen ergeben sich dabei für Schlafsäcke unterschiedliche Anforderungen an Material und Eigenschaften. Dafür ist vor allem entscheidend, wie groß die Isolierfähigkeit des Schlafsacks ist. Denn nicht der Schlafsack wärmt den Körper, sondern der Körper erwärmt die Luft im Schlafsack. Die Isolierleistung eines Schlafsacks hängt maßgeblich von den Faktoren Form und Füllung ab.

Die Form: Kastenschlafsäcke oder Mumienschlafsäcke?

Grundsätzlich unterscheidet man der Form nach Kasten- und Mumienschlafsäcke. Die Kastenform bietet große Bewegungsfreiheit, isoliert dadurch aber nur mäßig (viele Sommerschlafsäcke sind deshalb so geschnitten). Die Mumienform liegt dichter am Körper, schränkt die Bewegungsfreiheit deutlich ein, isoliert aber wesentlich besser. Als Kompromiss hat sich die Eiform etabliert, die mit ihren Eigenschaften zwischen beiden steht.

Schlafsack Kastenform und Mumienform

Das Füllmaterial: Daunen oder Kunstfaser?

Als Füllmaterialien verwenden die Hersteller entweder Kunstfasern oder Daune. Beide binden durch ihre feine Faserstruktur Luft, die sie so vor dem Entweichen hindern. Auf diese Weise bleibt die warme Luft am Körper und wird nicht an die Umgebung abgegeben.

Daunenschlafsäcke

Daune ist ein reines Naturprodukt, es handelt sich um die natürliche Isolationsschicht von Vögeln wie Gänsen und Enten. Die Isolationsfähigkeit von Daune ist weder durch eine Kunstfaser, noch durch ein anderes Naturprodukt erreicht. Wenn es richtig kalt ist, gibt es praktisch keine Alternative zu diesem Füllmaterial. Außerdem ist Daune leicht: um die 500.000 Flocken enthält ein Kilo.

Als Qualitätsmerkmal gilt die Füll- oder Bauschkraft, auch als “Fillpower” oder “Loft” bezeichnet. Um sie zu messen, wird eine Unze Daune (28g) in einem Gefäß mit einer 100g-Platte verdichtet. Nach dem Entfernen des Gewichts dehnt sich die Daune aus, das Volumen nach dem Test wird in “cuin” (cubic inches = “Kubikzoll”) angegeben. 600 cuin entsprechen zum Beispiel einem Volumen von 10 Liter.

300 cuin ist Daune von minderer Qualität, 500 bedeutet gut, 650 sehr gut. 700 bis 800 cuin ist der derzeitige Topwert.

Die Daune wird in einem Mischverhältnis in die Hülle des Schlafsacks eingearbeitet. Das Mischverhältnis ist großteils durch die maschinelle Trennung von Federn und Daunen bedingt. Ein Verhältnis von 90/10 Daune/Federn und aufwärts gilt als gut oder sehr gut.

Entscheidend für die Qualität des Schlafsacks ist schließlich die Anordnung der Kammern, die mit Daune befüllt werden. Die Hersteller gehen dabei unterschiedliche Wege:

  • Steppnähte finden sich nur noch in Sommerschlafsäcken. Über die Kältebrücken zwischen den Daunenkammern verliert die Hülle viel Wärme.
  • In H-Kammern sind die Nähte durch Stege getrennt, die den direkten Wärmeaustausch verhindern. Bei extremen Temperaturen bleiben die Kältebrücken entlang der Nähte aber ein Problem.
  • In Schrägkammern ist der direkte Weg für die Wärme entlang der Nähte versperrt. Die Isolierfähigkeit steigt. Durch Bewegung können sich Schrägkammern allerdings verziehen und so neue Kältebrücken formen.
  • V-Kammern schaffen Abhilfe und schließen die Bildung von Kältebrücken aus. Die aufwendige Verarbeitung ist kostenintensiv, der Anwendungsbereich ist auf sehr kalte Temperaturen ausgelegt.
  • Trapezkammern vereinen die Vorteile von Schräg- und V-Kammern und sind wohl die effektivste Isolierung in extremer Umgebung.

Für durchschnittliche und nicht sehr kalte Temperaturen ist die H-Kammernform völlig ausreichend, im Winter bei Schnee und Eis oder in großen Höhen sollte zu aufwendigeren Verfahren gegriffen werden, um den Wärmeverlust durch Kältebrücken ausschließen zu können.

Daune ist also leicht und höchst effektiv. Dennoch hat das Naturprodukt auch seine
Schwachpunkte. Zunächst ist Daune sehr feuchtigkeitsempfindlich. Nasse Daune verliert bis zu 70% ihrer Isolierfähigkeit und ist deshalb auch empfindlicher für Schweiß und Körperfette, die während des Schlafens in die Kammern dringen. Bei guter Pflege ist ihre Lebensdauer jedoch größer als die von Kunstfaserschlafsäcken.

Obwohl inzwischen auch günstigere Modelle angeboten werden, kosten Daunenschlafsäcke bei vergleichbarer Wärmeleistung ein Vielfaches von Kunstfaserprodukten. Der höhere Preis ist in der aufwendigeren Verarbeitung und der Herstellung des Naturprodukts begründet.

Kunstfaserschlafsäcke

Das Füllmaterial besteht in Kunstfaserschlafsäcken aus Polyesterfasern, deren Mikrostruktur dieselben Eigenschaften bewirken soll wie Daune. Ihre Bauschfähigkeit reicht jedoch nicht an das Naturprodukt heran. Entscheidende Vorteile sind neben dem geringeren Preis die Unempfindlichkeit gegenüber Nässe (Kunstfaser verliert nass nur etwa 30% seiner Isolierleistung, die Feuchtigkeit dringt gar nicht erst in die Faser ein), die größere Druckresistenz und die einfachere Pflege.

Auch unter Kunstfasern gibt es deutliche Qualitätsunterschiede. Um wie Daunen einen möglichst guten Fillpower-Wert zu erhalten, sollten die Fasern glatt und mit einer langlebigen Silikonschicht bearbeitet sein. So verkanten sie sich nicht und können mehr Zwischenräume für die Luft bilden, die Bauschfähigkeit steigt. Außerdem lässt sich ihr Gewicht deutlich reduzieren, wenn der Faserstrang hohl ist. Dennoch sind Kunstfaserschlafsäcke manchmal doppelt so schwer wie Daunenschlafsäcke mit gleicher Leistungsfähigkeit. Im Zweifel kann man beim Anbieter oder Hersteller nachfragen und um Auskunft zu detaillierten Materialeigenschaften bitten.

PacksäckePackmaß: Besser stopfen als rollen

Neben Gewicht und Isoliereigenschaften unterscheiden sich Daunen- und Kunstfaserschlafsäcke im Packmaß. Schlafsäcke sollen zum Verpacken nicht gerollt oder gefaltet, sondern in den – oft knapp bemessenen – Beutel gestopft werden. Daune hat auch in diesem Bereich die Nase vorn und lässt sich auf deutlich geringere Abmessungen komprimieren. Mit Kompressionsbeuteln erreicht man inzwischen aber auch für Kunstfaserschlafsäcke akzeptable Ergebnisse. Auf langen Touren und bei wenig Platz im Rucksack kann dieser Faktor dennoch ausschlaggebend sein.

Temperaturbereich

Für den Kauf ausschlaggebend ist letztlich der Temperaturbereich, für den der Schlafsack konzipiert ist. Seit 2005 wird dieser Wert mittels einer europäischen Norm ermittelt, die für alle Hersteller verbindlich ist. Die Temperaturangabe setzt sich aus drei Teilen zusammen:

  • Komfortbereich (TCom): Dieser Wert ist die Entscheidungsgrundlage für den Kauf. Er gibt die Temperatur an, bei der sich die „Norm-Frau” (25 Jahre, 60 kg, 160cm) jederzeit wohl fühlt. Für Männer liegt der Wert in der Regel etwas niedriger, sofern die Person nicht überdurchschnittlich kälteempfindlich ist.
  • unterer Grenzbereich (TLim): Fällt die Außentemperatur in den unteren Grenzbereich, so friert der „Norm-Mann” (25 Jahre, 70 kg, 173 cm) gerade noch nicht.
  • Überlebensbereich (TExt): Bei Temperaturen im Überlebensbereich besteht für die „Norm-Frau” im Schlafsack bereits Unterkühlungsgefahr. Dieser Wert erfasst also die Extremsituation, in der der Schlafsack gerade noch das Überleben sichert. Für den Kauf sollte diese Angabe zunächst keine Rolle spielen.

Für die meisten Mittelgebirgstouren reicht ein Komfortbereich von 0 bis 5 Grad völlig aus, in alpiner Umgebung kann auch im Sommer schnell ein Schlafsack mit -5 Grad angeraten sein. Auf allen Unternehmungen, die nicht bei winterlichen Temperaturen stattfinden, genügt in der Regel ein 3-Jahreszeiten-Schlafsack, dessen Komfortbereich innerhalb dieser Werte liegt.

Generell sind die Temperaturangaben kritisch zu bewerten. Momentane Bedingungen, Erschöpfung, psychische Belastung oder subjektives Kälteempfinden relativieren die Werte gegebenenfalls. Die Temperaturbereiche können daher allenfalls als Richtwerte gelten.

Reißverschlussabdeckung, Isomatte und Größe

Für die Wärmeleistung eines Schlafsacks sind darüber hinaus Details in der Verarbeitung wichtig: Eine Reißverschlussabdeckung hilft Wärmeverlust zu reduzieren, ebenso wie ein eingearbeiteter Kragen und eine anpassbare Kapuze. Der Kopf ist sehr temperaturempfindlich, auch schon bei wenig kalter Umgebung.

isomatteSchließlich sollte der Schlafsack immer mit einer Isomatte ergänzt werden. Durch den Druck des Körpers auf die Kammern kann sich unten keine Luftschicht bilden: Der Schlafsack isoliert zum Untergrund hin so gut wie gar nicht. Die Isomatte schafft also nicht nur ein wenig Bequemlichkeit, indem sie kleine Unebenheiten ausgleicht, sie ist ein entscheidender Faktor für die Wärmeleistung des Schlafsacks.

Auch die richtige Größe sollte bedacht werden. Ein zu großer Schlafsack wird kaum zu erwärmen sein, ein zu kleiner schafft wenig Schlafkomfort. Für Kinder gibt es deshalb eigene Modelle, die auf ihre Bedürfnisse besonders abgestimmt sind.

Pflegetipps für Schlafsäcke

Bei guter Pflege kann ein Schlafsack jahrelang im Einsatz bleiben. Regelmäßiges Aufschütteln, Trocknen und Lüften bewahren das Füllmaterial vor dem Verklumpen. Gleiches gilt für die Lagerung: Auf keinen Fall den Schlafsack in den Kompressionssack gestopft aufbewahren. Empfehlenswert sind große luftige Baumwollsäcke oder das Aufhängen im Schrank. Auf Waschen sollte wenn möglich verzichtet werden, um die Füllmaterialien zu schonen. Gänzlich ist das Eindringen von Wasser, Schweiß und Körperfetten nicht zu verhindern. Ein Inlett, ein dünner Hüttenschlafsack kann in diesem Fall Abhilfe schaffen und den Verschleiß verzögern. Nun sind Sie gerüsted für den nächsten Campingurlaub!

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Hersteller: Ajungilak, Deuter und Co.

Ajungilak ist der wohl traditionsreichste Hersteller von Schlafsäcken und gehört heute zum Schweizer Unternehmen Mammut. Die norwegische Firma entwickelte bereits ab den 1860er Jahren gemeinsam mit Fridtjof Nansen erste Modelle. Ab 1931 nannte sich die Firma „Ajungilak”, was in der Inuit-Sprache Grönlands „Alles bestens” oder einfach „warm” bedeutet. Zahlreiche Innovationen, wie der Reißverschluss, verschafften Ajungilak einen tadellosen Ruf, den auch die Übernahme durch Mammut nicht beschädigen konnte. Die immense Erfahrung spiegelt sich in allen Bereichen, so wählt Ajungilak auch seine Vertriebspartner nach strengen Kriterien aus: Die Norweger kooperieren nur mit qualifizierten Fachgeschäften.

Das britische Unternehmen Mountain Equipment versorgte ab 1961 jede englische Erstbesteigung über 8.000 Meter Höhe. Mehr als 100 Mount Everest-Expeditionen, Trips zu beiden Polen und die Kooperationen mit führenden Kletterern und Bergsteigern sorgen für eine hervorragende Reputation. Viele der Mountain Equipment Schlafsäcke erhielten verschiedene Empfehlungen und Auszeichnungen durch Produkttests in Zeitschriften.

Auch andere Hersteller wie The North Face, Deuter, Salewa, Lestra, Vaude, Marmot und Gelert können vielfach Innovationen vorweisen. Besonders Kunstfaserschlafsäcke bieten immer noch großes Entwicklungspotential, das sich die Hersteller zu Nutze machen.

Die vorgestellten Kriterien, Werte, Leistungsangaben und Empfehlungen sollen bei der Auswahl aus dem breiten Angebot helfen, den passenden Schlafsack zu finden, damit die erste Tasse Kaffe morgens, nach einer gut durchschlafenen und erholsamen Nacht, tatsächlich ein Hochgenuss wird.

Noch mehr Tipps für den Kauf von Schlafsäcken finden Sie auch im Schlafsack Shop von Bergfreunde.de.

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