Kinderlaufräder: Spielerisches Gleichgewichtstraining
Noch vor etwa zehn Jahren waren Laufräder hierzulande weitgehend unbekannt. Doch heute bestimmen sie das Bild in Spielstraßen, Fußgängerzonen und auf Spazierwegen. Als Erstfahrzeuge für Kinder im Alter von zwei bis vier Jahren sind Roller und Dreirad in der Beliebtheitsskala deutlich zurückgefallen. Heutzutage ist das Laufrad das bevorzugte Fortbewegungsmittel für Kinder diesen Alters. Doch ab wann eignet sich ein Laufrad für ein Kind? Wie lernt es am Besten darauf zu fahren? Und auf welche Merkmale sollte man beim Kauf achten?
Tipps für das richtige Laufrad für Ihr Kind finden Sie hier!Der folgende Ratgeber über Kinder-Laufräder wurden vom Shop kinderfahrradladen.de zusammengestellt.
Warum ist das Laufrad bei Kindern so beliebt?
- Laufräder vermitteln dem Kind ein größeres Sicherheitsgefühl durch beidfüßigen Bodenkontakt. Ein seitliches Kippen, wie mit dem Roller häufig zu sehen, ist sehr selten.
- Laufräder sind deutlich wendiger und schneller im Vergleich zum Dreirad.
- Das Laufradfahren ist vom Bewegungsablauf dem Fahrradfahren sehr ähnlich. Das notwendige Gleichgewichtsgefühl wird spielerisch erworben und bereitet ideal den Umstieg auf das Kinderfahrrad vor.
Richtiges Alter und geeignete Körpergröße für das Laufradfahren
Der geeignete Zeitpunkt dem Kind das Laufrad anzubieten, wird maßgeblich von zwei Faktoren bestimmt:
- Das Kind sollte bereits eigenständig und sehr sicher laufen können.
- Das Kind verfügt über eine ausreichende Körpergröße bzw. Beinlänge (Schrittlänge), um das Laufrad gut zu beherrschen. Die minimale Sattelhöhe des Laufrades gibt hierüber Aufschluss. (Wie messe ich die Schrittlänge richtig?)
Demnach ist also nicht das Alter, sondern vielmehr die körperliche und vor allem motorische Entwicklung des Kindes für die ersten Laufradübungen entscheidend. In der Regel sind diese Voraussetzungen zwar mit gut zwei Lebensjahren gegeben, dennoch ist der individuelle Blick auf den Einzelfall unbedingt ratsam, um das Kind nicht frühzeitig zu überfordern.
Die Kinder sollten auf dem Laufrad eigenständig sitzen können und mit beiden Füßen – der ganzen Sohle – sicher am Boden stehen. Die Beine sollten dabei leicht angewinkelt sein, um genügend Hubweg zu haben, der es den Kindern ermöglicht, sich mit den Beinen vom Boden nach vorn abzustoßen. Damit ist die Sattelposition bzw. die minimal einzustellende Sattelhöhe die wichtigste Einstellgröße am Laufrad. Die minimale Sattelhöhe sollte zum Einstieg mindestens zwei Zentimeter unter der Schrittlänge des Kindes liegen.
Größentabelle: Schrittlänge / Minimale Sattelhöhen

Mit Geduld lernt es sich besser!
So unterschiedlich jedes Kind ist, so individuell ist auch das Lernen des Laufradfahrens. Doch seien Sie sicher: Auch Ihr Kind wird das Fahren auf dem Laufrad von ganz allein lernen und es bedarf keiner großen Hilfestellungen von Ihrer Seite.
Viele Kinder schieben zunächst ihr neues Laufrad. Die Eltern glauben dann häufig, dass es wohl doch zu früh war, ihrem Kind ein Laufrad anzubieten. Doch lassen Sie sich nicht beirren: Kinder machen, gemessen an ihrem persönlichen Sicherheitsbedürfnis, genau das Richtige. Sie müssen sich mit ihrem neuen Gefährt erst einmal vertraut machen und tun dies spielerisch auf ganz vielfältige Weise. Egal, ob ein Kind sich sofort auf das Laufrad setzt und losfährt oder aber das Gefährt zunächst einmal genau untersucht, lassen Sie Ihrem Kind seine Zeit, die es braucht.
Kommen dann die ersten Sitz- und Rollversuche, wird Ihr Kind, seinen motorischen Fähigkeiten und Erfahrungen entsprechend, die ersten Meter machen. Von vorsichtig bis rasant, jedes Kind regelt mit seinen Beinen und Füßen die Fahrt auf dem Laufrad ganz individuell und unmittelbar – und immer in Kontakt zum sicheren Boden. Sie als Eltern müssen lediglich auf ein ungestörtes und nach Möglichkeit hindernisfreies Umfeld, ohne Gefälle und fernab des üblichen Straßenverkehrs achten.
Beschaffenheit und Ausstattung von Laufrädern
Rahmenmaterialien
Laufräder gibt es aus Metall (Alu oder Stahl), Birken-/Buchensperrholz und Kunststoff.
Grundsätzlich kann man sagen, dass alle höherwertigen und gut verarbeiteten Laufräder, ganz unabhängig vom verwendeten Werkstoff, mindestens zwei Kindergenerationen überstehen. Somit ist die Materialfrage häufig auch eine Sache des Geschmacks.
Lediglich das Gewicht ist nicht zu vernachlässigen und macht die Unterschiede spürbar. Während beispielsweise das Puky LR 1 bei knapp 5 kg liegt, wiegen größenvergleichbare Laufräder aus Holz z. B. von kokua/LikeaBike oder die GFK-Polyamid-Kunststoff-Laufräder bei etwa 3,5 kg. Das geringere Gewicht ist sicherlich insbesondere für eher zarte Kinder besser zu halten, es hat allerdings auch seinen Preis.
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Lenkeinschlagbegrenzung
Die Meinungen und Philosophien der Hersteller sind bei diesem Punkt sehr unterschiedlich.
Puky hat sich bewusst gegen eine Lenkeinschlagbegrenzung entschieden, um dadurch die mögliche Verletzungsgefahr beim Fallen auf das Lenkerende geringer zu halten.
Der Hersteller von den LikeaBikes, kokua, argumentiert hingegen, dass seine Laufräder mit Einschlagbegrenzung einen sichereren Stand haben und beim Fahren enger Kurven nicht so leicht wegrutschen.
Aus der Sicht von Kinderfahrradladen.de haben beide Ausführungen ihre Vorteile, sind aber für die Sicherheit des Laufrades und damit auch für die Kaufentscheidung nicht wirklich relevant. Hier können Sie sich auf Ihr Gefühl bzw. das Gefühl Ihres Kindes verlassen und sich für eine Variante entscheiden.
Bereifung
Zu unterscheiden sind die sogenannte Schaum- bzw. Vollgummibereifungen (Polyurethan) sowie die übliche Luftbereifung. Die meisten Laufräder besitzen mittlerweile luftbereifte Räder, da sie sehr viel weicher abfedern und auch griffiger sind als die Schaum- bzw. Vollgummibereifung. Wird das Laufrad überwiegend im Freien eingesetzt, sollte man sich für eine Luftbereifung entscheiden. Schaumgummi- bzw. PU-Bereifung eignet sich eher für sehr glatte Untergründe (z. B. in großen Wohnungen), sie sind allerdings auch weniger pannenanfällig als die Luftbereifung.
Ist eine Handbremse am Laufrad ratsam?
Im üblichen Laufradalter von etwa zwei bis drei Jahren sind die Kinder in der Regel noch nicht in der Lage, die komplexen Bewegungsabläufe des Laufradfahrens und das Betätigen der Handbremse gleichzeitig zu bewältigen. Vielmehr kann die Handbremse sie ablenken und den gegenteiligen Effekt verursachen. Das natürliche Sicherheitsbedürfnis lässt die Kinder normalerweise mit den Füßen bremsen. Auch die Kraft, die für das Betätigen einer Handbremse erforderlich ist, reicht meist noch nicht aus.
Erst im späteren und geübteren Laufradalter kann der Einsatz einer solchen Bremse sinnvoll sein, z. B. in Wohngebieten mit Straßengefälle.
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Zubehör für Laufräder
Beleuchtungssets
Ein laufradfahrendes Kind sollte nicht im Dunkeln unterwegs sein und erst recht nicht dort, wo es darauf ankommt, gesehen zu werden. Dennoch kann es natürlich sein, dass Sie sich besser fühlen, wenn in der Dämmerung eine Beleuchtung am Laufrad vorhanden ist. Wenn Ihnen dann z. B. eine Blinkweste bei Ihrem Kind nicht ausreicht, sollten Sie Ihrem weiteren Sicherheitsbedürfnis auch Rechnung tragen. Achten Sie dann aber auf eine sichere Befestigung, die Ihr Kind vor Verletzungen bei Stürzen schützt.
Ständer
Ein Ständer ist nicht zwingend notwendig, erleichtert aber das sorgfältige Abstellen des Laufrades und erhöht damit manchmal auch seine optische Unversehrtheit bzw. die der Lenkergriffe – aber auch nur, wenn ihr Kind mitspielt…
Taschen, Anhänger und anderes
Na klar, ein Laufrad ist nicht nur Fortbewegungsmittel, es ist oft ein geliebtes Spielzeug. Und da lohnt es sich mitunter mal nach sinnvollem und schönem Zubehör zu schauen, welches Freude und Nutzung z. T. erheblich vergrößern kann. Es gibt Taschen für Rahmen und Lenker, richtig tolle Anhänger oder auch Kufen-Umbausätze für den Einsatz im Schnee. Achten Sie aber immer darauf, dass Ihr Kind beim Laufradfahren durch das Zubehör nicht stark abgelenkt oder in der Bewegung sehr eingeschränkt wird und sich nicht mehr ausreichend auf das Fahren konzentrieren kann.



