24. August 2010

Trusted Shops Umfrage belegt: Online-Händler leiden unter dem Widerrufsrecht

Veröffentlicht von

Das Widerrufsrecht belastet Online-Händler nach Erkenntnissen von Trusted Shops erheblich. Das ist das zentrale Ergebnis einer Umfrage unter rund 400 Shopbetreibern, die Trusted Shops gemeinsam mit dem Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK) im Juli 2010 durchgeführt hat. In welchem Ausmaß das Widerrufsrecht die Händler beeinträchtigt, lesen Sie hier.

Einer aktuellen Umfrage von Trusted Shops und dem DIHK zufolge, an der sich knapp 400 Betreiber von Online-Shops beteiligten, wird jeder siebte über das Internet erworbene Artikel zurückgeschickt. Rund 80 Prozent der Unternehmen klagen über Missbrauchsfälle. Das betreffe vor allem anlassbezogene Ware wie das Urlaubszelt, das Tauf- oder Abendkleid, die nach einmaliger Nutzung nicht mehr benötigt und dann zurückgeschickt würden.

Mit harten Folgen für die Anbieter: Ein Drittel der befragten Unternehmen gibt an, dass die zurückgesandte Ware 30 Prozent und mehr an Wert verliert. In vielen Fällen ist ein Wiederverkauf sogar überhaupt nicht mehr möglich. Das ist zum Beispiel bei Hygieneartikeln wie Lippenstiften, Piercing-Schmuck und Kontaktlinsen der Fall. Zum Teil sehen sich die Händler gezwungen, bestimmte Produkte aus ihren Verkaufssortimenten ganz herauszunehmen, zeigen die Umfrageergebnisse.

Wertersatz ist notwendig

Die Zeche für den Missbrauch zahlen letztlich die Händler, die die Kosten nicht weitergeben können – 55 Prozent der Befragten reduzieren ihre Marge entsprechend –, beziehungsweise die Verbraucher: 35 Prozent der Anbieter berücksichtigen die unerfreuliche Praxis bei der Preiskalkulation.

Bislang konnten Händler zumindest in besonders gravierenden Fällen vom Kunden Ersatz für die Nutzung und Verschlechterung der Ware verlangen. Die geltende Regelung in Deutschland hält der Europäische Gerichtshof jedoch für rechtswidrig.

“Im schlimmsten Fall könnte künftig auch noch der Anspruch des Händlers auf Wertersatz entfallen”, befürchtet Dr. Carsten Föhlisch, Leiter der Abteilung Recht bei Trusted Shops. Das Bundesministerium der Justiz ringe momentan um einen Kompromissvorschlag, der darauf abziele, den Wertersatz in veränderter Form bestehen zu lassen. “Dies unterstützen wir”, sagt Föhlisch.

Sie finden die wichtigsten Ergebnisse aus der “Umfrage zur Praxis des Widerrufs im Fernabsatz bei Warenlieferungsverträgen” hier zum Download (PDF, 58 KB).

Diesen Post teilen:

Kommentar schreiben