Bereits bei der Einführung des Amazon Dash-Buttons in 2016 war die rechtliche Einschätzung vernichtend, da sich der Bestellknopf nicht an verbraucherschützende Vorschriften hält. Nun wurde er vom Oberlandesgericht München verboten. Wir geben Ihnen die wichtigsten Informationen dazu.

Was ist der Amazon Dash-Button eigentlich?

Der Dash-Button ist ein kleines Gerät, das man z.B. an der Kaffeemaschine befestigen kann. Stellt man dann fest, dass der Kaffee leer ist, drückt man auf den Button und schon hat man neuen Kaffee bestellt. Auf jedem Dash-Button steht die Marke drauf, damit man nicht was anderes bestellt, als man eigentlich will.
Der Dash-Button ist mit der Amazon-App auf dem Smartphone verknüpft. Für eine Bestellung muss man das Smartphone aber nicht mehr in der Hand haben. Ein Knopfdruck genügt und die Bestellung ist ausgeführt.

Der Dash-Button rechtlich betrachtet

Online-Händlern ist bekannt, dass das deutsche E-Commerce-Recht sehr streng ist. Es gibt unzählige Pflichtinformationen, die erfüllt werden müssen. Im Einzelnen bedeutet dies:

Wesentliche Merkmale der Ware

Auf dem Button steht lediglich die Marke des Produktes, welches man über einen Druck auf den Dash-Button bestellt. Damit wird die Pflicht, die wesentlichen Merkmale der Ware anzugeben nicht erfüllt. Denn nur die Nennung der Marke sagt nichts über das zu bestellende Produkt aus. Man könnte hier argumentieren, dass man als Verbraucher den Button über die App konfiguriert hat. Das mag sein, die Pflichtinformationen gelten aber für jede Bestellung neu. Eine vorherige Konfiguration genügt nicht.

Keine Preisangaben

Es fehlt außerdem die Angabe des Kaufpreises. Sowohl die Preisangabenverordnung wie auch die fernabsatzrechtlichen Pflichten sehen vor, dass der Händler Gesamtpreise zu nennen hat. Außerdem muss die Information erfolgen, dass der Preis die Mehrwertsteuer enthält und ob Versandkosten anfallen. Sofern Versandkosten anfallen, muss deren genaue Höhe genannt werden. Da sie nicht genannt werden, müssen Sie als Verbraucher bei Bestellungen über den Dash-Button gemäß § 312e BGB diese auch nicht bezahlen.

Keine Grundpreise

Hundefutter, Kaffee, Waschmittel – alles Beispiele für Waren, bei denen ein Grundpreis anzugeben ist. Auch diese Angabe fehlt beim Dash-Button.

Kein Liefertermin

Das Gesetz verpflichtet Online-Händler außerdem einen Termin anzugeben, bis zu dem die Ware geliefert wird. Auch diese Information findet sich nicht bei der Abgabe der Bestellung.

Widerrufsrecht: Ein Jahr und 14 Tage

In der FAZ wird berichtet:

„Sollte das Kind Geschirrspültabs geordert haben, obwohl die Schachtel noch voll ist, können Kunden kostenfrei stornieren.“

Selbstverständlich kann man das, dafür gibt es in Deutschland das Widerrufsrecht. Und Sie als Verbraucher können sich beim Dash-Button auch sehr lange Zeit lassen. Da Sie nicht über das Widerrufsrecht belehrt werden, steht Ihnen ein Widerrufsrecht mit einer Frist von einem Jahr und 14 Tagen ab Lieferung zu. Sie können das Produkt in der Zeit sogar nutzen, denn Wertersatz müssen Sie nichtzahlen – hierfür wäre eine korrekte Widerrufsbelehrung Voraussetzung.

Produktspezifische Pflichtinformationen

Es gibt zahlreiche Produkte, bei denen bereits im Online-Shop spezifische Pflichtinformationen erfüllt werden müssen. Diese finden sich selbstverständlich auch nicht auf dem Button. Hier drohen nicht nur Abmahnungen, sondern auch hohe Bußgelder.

Pflichten im elektronischen Geschäftsverkehr

Online-Händler haben Ihnen als Verbraucher spätestens bei Beginn des Bestellvorgangs:

  1. angemessene, wirksame und zugängliche technische Mittel zur Verfügung zu stellen, mit deren Hilfe Sie Eingabefehler vor Abgabe Ihrer Bestellung erkennen und berichtigen können,
  2. die in Artikel 246c des Einführungsgesetzes zum Bürgerlichen Gesetzbuche bestimmten Informationen rechtzeitig vor Abgabe von dessen Bestellung klar und verständlich mitzuteilen,
  3. den Zugang von Ihrer Bestellung unverzüglich auf elektronischem Wege zu bestätigen und
  4. die Möglichkeit zu verschaffen, die Vertragsbestimmungen einschließlich der Allgemeinen Geschäftsbedingungen bei Vertragsschluss abzurufen und in wiedergabefähiger Form zu speichern.

Verstoß gegen die Button-Lösung

Bei Verträgen im elektronischen Geschäftsverkehr müssen Ihnen als Verbraucher unmittelbar bevor Sie eine Bestellung abgeben klar und deutlich, in hervorgehobener Weise auf folgende Informationen hingewiesen:

  1. wesentliche Merkmale der Ware
  2. Preise sowie Versand- und Zusatzkosten

sowie weitere Informationen bei Dauerschuldverhältnissen oder Abos.

Da diese nicht erfüllt werden (siehe oben), ein weiterer Verstoß gegen Verbraucherschutzvorschriften.
Diskutieren kann man auch, ob der Dash-Button eine „Schaltfläche“ im Sinne der Button-Lösung ist. Man kann dies durchaus vertreten. Dann müsste der Button aber mit nichts anderem als den Worten „zahlungspflichtig bestellen“ oder einer entsprechend eindeutigen Formulierung beschriftet sein.

Da dies nicht der Fall ist, kommt nach § 312j Abs. 4 BGB kein Vertrag zu Stande. Sie könnten Sie also so oft Sie wollen auf den Dash-Button drücken —  zahlen müssten Sie nicht.

Genügt ein Rahmenvertrag?

Wenn Sie über den Amazon Dash-Button einkaufen, müssen Sie diesen über die App konfigurieren. Man könnte argumentieren, dass man damit eine Art Rahmenvertrag über die zukünftigen Bestellungen schließt und es reicht, wenn Amazon die Pflichtinformationen in diesem Rahmenvertrag bereithält.
Wahrscheinlicher ist aber, dass die Gerichte eine solche Ausgestaltung eines Rahmenvertrages als Versuch der Umgehung der fernabsatzrechtlichen Vorschriften gemäß § 312k BGB werten.
Der Rahmenvertrag wäre wohl auch hinfällig, sobald sich Bedingungen ändern, wie z.B. der Preis eines Produktes.

Das aktuelle Urteil des Oberlandesgericht München

Schon das LG München I (Urt. v. 1.3.2018, 12 O 730/17) hat entschieden, dass der Amazon Dash-Button massiv gegen deutsches Recht verstößt. Es fehle an einer klaren Information über den Warenpreis und über die wesentlichen Merkmale der Ware. Außerdem gäbe es keine eindeutige Beschriftung des Buttons, die die Zahlungspflichtigkeit der Bestellung klar macht. Dies ist aber seit 1. August 2012 Pflicht (sog. Button-Lösung). Es sei nicht ausreichend, dass diese Informationen nach dem Drücken des Buttons per Mail an den Verbraucher gesendet werden.

Die Entscheidung war damals noch nicht rechtskräftig, da Amazon in Berufung ging. Das Oberlandesgericht München hat diese Berufung abgewiesen und das Urteil für die aufklebbaren Knöpfe somit bestätigt. Amazon findet das Urteil „innovationsfeindlich“. Die Kunden sollten selber entscheiden können, ob ihnen der Service ein bequemes Einkaufserlebnis ermöglicht.“

Amazon hat immer noch die Möglichkeit, eine Nichtzulassungsbeschwerde einzureichen. Auch, wenn das Urteil rechtskräftig werden sollte, müsste Amazon laut Verbraucherzentrale NRW nicht alle Buttons vernichten. Eine Alternative wäre dann, wenn man per Knopfdruck Produkte in den digitalen Warenkorb verschieben könnte — also keine direkte Bestellung durchführt. Schon seit März 2018 gibt es die virtuelle Version des Knopfes. Mit diesem kann man mit einem Wisch auf dem Smartphone Produkte bestellen und die dazugehörigen Preise werden angezeigt.

Fazit zum Amazon Dash-Button

Auf’s Knöpfchen drücken und schon ist bestellt – klingt einfach, aber so ist es nicht. Die europäische Rechtslage lässt das Modell „amazon Dash-Button“ aktuell nicht zu. Über ein solches Modell wird das sehr hohe Verbraucherschutzniveau umgegangen.