Deutschland ist das Land der Schnäppchenjäger. Das beweisen nicht nur die vielen Sale-Aktionen der Händler, seit es keinen offiziellen Sommer- und Winterschlussverkauf mehr gibt. Auch außerhalb saisonaler Rabattschlachten ist günstig einkaufen angesagt.

Das Internet bietet ungeahnte Möglichkeiten. Online-Shopping macht glücklich! Was wir intuitiv schon lange wussten, bestätigauch Studien. Zum Beispeil die DHL-Studie „Einkaufen 4.0“. 44 Prozent der befragten Deutschen sehen im Internetkauf eine Verbesserung ihrer Lebensqualität. Sie hätten mehr Spaß und weniger Stress beim Einkaufen, so die Kernergebnisse. Außerdem sind sie überzeugt, online die günstigsten Angebote zu finden. Schnäppchenparadies Internet – ist das so? In der Tat. Wer einige Tricks beherrscht, kann kräftig sparen.

Erst die Preise prüfen

Regel Nummer eins lautet: vergleichen, vergleichen, vergleichen. Was sich im Einzelhandel eher mühsam gestaltet, ist in der virtuellen Einkaufswelt ganz einfach. Möglich machen es unzählige Preissuchmaschinen.

Sie alle funktionieren nach dem gleichen Prinzip: Man gibt eine möglichst genaue Produktbezeichnung in die Suchmaske ein, kostenlos und ohne vorherige Anmeldung. Nach wenigen Sekunden erscheint eine nach dem Preis sortierte Liste der günstigsten Onlineshop-Angebote. Einige Preissuchmaschinen bieten zusätzliche Funktionen wie Produkttestberichte, Foren für Kundenmeinungen zu Shops und Produkten oder einen Preisalarm, der per E-Mail oder SMS benachrichtigt, wenn das gewünschte Produkt zum gewünschten Preis angeboten wird.

Ein Test der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen ergab, dass auf diesem Weg bis zu 45 Prozent Ersparnis gegenüber der unverbindlichen Preisempfehlung der Hersteller möglich sind. Eine tolle Dienstleistung mit nur einem kleinen Manko: Die Versandpauschale fehlt.

Aus rechtlicher Sicht sind Onlinehändler verpflichtet, die jeweiligen Versandkosten auch an die Preissuchmaschine zu übermitteln, damit diese dort angezeigt werden können.

Doch dafür müssen die übermittelten Informationen der Anbieter auch stimmen. Übermitteln diese falsche oder gar keine Werte, stimmen die angegeben Versandpauschalen natürlich nicht

Vor Abschluss der Bestellung sollte man deshalb die Konditionen unbedingt im Onlineshop direkt überprüfen.

Geldwerte Codes

Noch nicht genug gespart? Dann findet sich mit etwas Glück ein passender Gutschein für das Angebot. Viele Onlineshops veröffentlichen regelmäßig digitale Rabattmarken.  Kombinationen aus Buchstaben und Ziffern, die im letzten Schritt vor Bestellabschluss im Shop eingegeben werden können und den Preis zusätzlich um bestimmte Euro- oder Prozentbeträge reduzieren.

Auch das hat die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen getestet. Das Fazit der Experten: durchaus praktikabel. Nur sollten Schnäppchenjäger die Bedingungen gründlich lesen, sonst
sind Enttäuschungen programmiert. Manche Gutscheine sind zum Beispiel an einen Mindestbestellwert gebunden oder gelten nur für ausgewählte Artikel. Mehrere Internetportale haben sich darauf spezialisiert, die neuesten und profitabelsten Gutscheine zusammenzustellen.

Grenzenlose Shoppingwelt

Bestimmte Produkte, insbesondere Textilien, sind außerhalb Deutschlands günstiger zu haben. Etwa weil die Marke von dort stammt oder dank des günstigen Umrechnungskurses. Warum also nicht im Ausland bestellen? Viele Onlineshops liefern weltweit. Eine Hürde gibt es allerdings: den deutsche Zoll. Unkompliziert sind Bestellungen innerhalb der Europäischen Union. Diese sind einfuhrabgabenfrei und werden zudem von der Post direkt zugestellt. Ausgenommen sind natürlich Produkte, für die Verbrauchssteuern anfallen wie Alkohol und Zigaretten.

Für den Warenverkehr außerhalb der EU gilt: Lieferungen bis zu einem Wert von 22 Euro sind ebenfalls abgabenfrei. Bis 150 Euro fallen keine Zollgebühren an, aber Einfuhrumsatzsteuer.
Diese entspricht in der Regel der Höhe der Mehrwertsteuer und kann beim Paketboten per Nachnahme gezahlt werden.

Übersteigt der Warenwert die 150-Euro-Grenze, kommen je nach Produkt noch Zollgebühren in Höhe von acht bis 17 Prozent obendrauf. Außerdem stellt die Post die Lieferung dann nicht mehr zu, sondern der Kunde muss sie im nächstgelegenen Hauptzollamt abholen. In Großstädten kein Problem, in ländlichen Gebieten eventuell schon.

Je nachdem, wie weit entfernt ich davon wohne, sollte ich mir vor der Bestellung überlegen, ob der finanzielle und zeitliche Aufwand lohnt

Oder man wendet einen Trick an: Zollgebühren und den Gang zum Hauptzollamt kann ich umgehen, wenn ich statt einer Bestellung mehrere kleinere unterhalb der Freigrenze aufgebe.

Ob sich das wiederum rechnet, hängt natürlich von der Höhe der Versandkosten ab. Meist sind sie deutlich höher als beim innerdeutschen Warenversand. Die Portokosten sollte man auch für den Fall im Blick haben, dass Jeans und T-Shirt nicht passen. Retouren in die USA beispielsweise muss der Käufer in der Regel selbst frankieren. Das kann teuer werden.

Mein Tipp: Günstiger und bequemer ist es eventuell, die Sachen bei Ebay zu verkaufen.

Attraktive zweite Wahl

Wer nicht gewillt ist, für technische Produkte den Originalpreis zu zahlen, sollte nach B-Ware Ausschau halten. Dahinter verbergen sich neuwertige und voll funktionsfähige Geräte, die jedoch aus dem normalen Vertrieb des Händlers herausfallen und zu Sonderpreisen angeboten werden. Etwa Artikel mit beschädigter oder ohne Originalverpackung – häufig Retouren, die Kunden ausgepackt, aber nicht benutzt haben.

Aber auch Artikel mit kleinen Gebrauchsspuren oder fehlendem Zubehör, meist Vorführgeräte. Serviceware, die nach einem Garantieumtausch repariert wurde. Aber auch wirkliche Neuware: Rest- und Sonderposten aus Überproduktionen oder Swap Stocks. Das ist Ware, die Hersteller für eventuelle Gewährleistungsfälle bis zum Auslauf des Produkts im Lager zurückhalten. Sparen kann man je nach Produkt und Marke bis zu 20 Prozent.

Das Risiko beim Kauf solcher Artikel ist gering. Die Händler sind verpflichtet, die Mängel der Geräte in der Produktbeschreibung ausführlich aufzuführen, und auch bei B-Ware greift die gesetzliche Gewährleistung. Diese kann der Verkäufer zwar bei Gebrauchtware auf zwölf Monate verkürzen. Sofern das in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen jedoch nicht explizit
ausgewiesen ist, gilt auch hier die Frist von zwei Jahren.

Mit einer Einschränkung: Ausgeschlossen sind die bekannten Mängel, die den Verkauf als B-Ware begründen.

Offen angepriesen werden diese Angebote meist nicht. Man muss gezielt danach suchen. Manche Hersteller verkaufen sie gut versteckt im eigenen Store. Meist zu finden in den Rubriken „Sonderangebote“ oder „Outlet-Store“ beziehungsweise als „refurbished“ oder „generalüberholt“ gekennzeichnet. Andere bieten sie über größere Händler wie Amazon oder Ebay an.

Virtuelle Designer-Outlets

Wer auf keinen bestimmten Artikel fixiert ist, kann in die Welt der Shopping-Clubs abtauchen und sich verleiten lassen. Dort werden Restposten – meist hochwertige Textilien der
vergangenen Saison, aber auch Technikprodukte, deren Verkauf ausläuft – zu Tiefstpreisen angeboten. Bis zu 70 Prozent Rabatt gegenüber der unverbindlichen Preisempfehlung propagieren die Portale – und halten ihr Versprechen, wie eine Untersuchung von ergab.

Chancen auf diese Extremschnäppchen haben jedoch nur Frühaufsteher und Schnellentschlossene. Neue Angebote werden morgens um sieben Uhr ins Netz gestellt. Dann heißt es schnell zuschlagen. Manche Artikel sind schon nach wenigen Minuten vergriffen. Wer sich als besonders kaufkräftiger Kunde bewährt, wird nach einiger Zeit zum VIP-Mitglied gekrönt
und darf künftig vor der Normalkundschaft die Angebote zu noch günstigeren Preisen durchstöbern.

Empfehlenswert, nur geduldig muss man sein: Die Lieferzeiten sind lang, können bis zu zwei Monate betragen.

Shopping-Clubs haben die Ware nicht auf Lager, sondern bestellen sie erst nach der Aktion beim Hersteller.

Gekauft wird, was im Angebot ist

Für ganz flexible Internetkäufer eignet sich Live-Shopping bei dem bestimmte Internetseiten jeden Tag mit einem oder wenig mehr Tagesangeboten locken. Die Aktionen sind sowohl in der Stückzahl als auch zeitlich begrenzt. Auch hier gilt also: schnell zugreifen.

Wer fündig wird, kann kräftig sparen. Das zeigt unter anderem eine Stichprobe der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Die Portale halten ihre Preisversprechen fast immer ein. Allerdings darf man nicht wählerisch sein. Die Wahrscheinlichkeit ist gering, dass genau das gewünschte Handy zum passenden Zeitpunkt angeboten wird. Man muss bereit sein, Alternativen zu akzeptieren, und gleichzeitig den Verlockungen unnötiger Impulskäufe widerstehen.

Für Fortgeschrittene gibt es sogar noch eine Steigerung: Speedshopping. Die Internetplattform verspricht Rabatte von bis zu 80 Prozent – wenn man sich innerhalb einer halben Minute entscheidet. Der Preis für das Objekt der Begierde wird erst nach der Produktauswahl angezeigt und gilt dann genau 33 Sekunden lang. Wer zu langsam ist, muss das Schnäppchen von seiner Wunschliste streichen. Die Chance auf den sogenannten Bigdeal gibt es pro Artikel nur einmal.

Eine aus wettbewerbsrechtlicher Sicht äußert zweifelhafte Art des Einkaufens. Der Käufer wird massiv unter Druck gesetzt und hat in der Kürze der Zeit keine Vergleichsmöglichkeit.

Immerhin geht er letztlich kein Risiko ein: Auch hier gilt natürlich das Widerrufsrecht. Stellt sich der Bigdeal nach dem Kauf als doch nicht so optimal heraus, kann ich mich vom Vertrag wieder lösen oder alternativ meine Bestellung widerrufen.

Nur sichere Schnäppchen

Ob aus normalen Online-Shops, Shopping-Clubs, dem Ausland, als B-Ware oder per Live-Shopping – eines gilt für alle Bezugswege: Die Sicherheit steht vor dem günstigen Preis. Sonst bringt das Schnäppchen keine Freude, sondern nur Ärger.

Informieren und vergleichen ist gut doch auch auf meinen gesunden Menschenverstand sollte ich mich verlassen. Habe ich bei einem Shop ein ungutes Gefühl, dann lieber sein lassen und woanders etwas mehr zahlen.

Hilfreich bei der Orientierung können außerdem Foren und Bewertungsportale sein. Oder noch besser: Ein Gütesiegel, das die Seriosität des Shops belegt. Doch auch hier gilt – nicht alle sind wertvoll. Sind etwa die Zulassungskriterien zu einfach, ist der angebliche Schutz für den Kunden nutzlos. Die , eine Partnerschaft aus Politik und Wirtschaft, empfiehlt folgende Siegel:

  • Trusted Shops
  • EHI Geprüfter Online-Shop
  • Safer Shopping
  • Internet privacy standards

Besteht bei den Zahlungsmodalitäten die Wahl zwischen Vorkasse und Kreditkarte, beachten Sie:

Bei Zahlung per Vorkasse sind Sie nicht abgesichert. Überweisungen können nicht zurückgeholt werden.

Die meisten Kreditkarten dagegen verfügen als zusätzliche Leistung sogar über einen Internet-Lieferschutz. Kommt die im Internet bestellte Ware nie an oder wird sie auf dem Postweg beschädigt, haftet das Kreditkartenunternehmen bis zu einer gewissen Summe jährlich dafür. Noch besser ist es natürlich, wenn im Shop ein Käuferschutz angeboten wird, der gegen Verlust der Kaufpreiszahlung im Fall der Nichtlieferung oder nach Rückgabe der Ware absichert.

Quelle: Der Beitrag erschien auf der WISO Monats-CD 06-2012

Autorin: Julia Schorch