Elektroautos sollen die Umwelt entlasten, doch Datenschützer schlagen gerade Alarm. Elektroautos aus Deutschland funken in der Volksrepublik China permanent sensible Daten an die Regierung. Um welche Daten es geht und wie die Lage in Deutschland aussieht, erfahren Sie hier! 

Warum werden in China Daten durch Elektroautos gesammelt?

In China ist es gesetzlich vorgeschrieben, dass Elektroautos Daten an Zentren übermitteln, die die Regierung eingerichtet hat. Für Autos mit Verbrennungsmotoren gilt dieses Gesetz nicht. Elektrofahrzeuge funken also permanent umfangreiche Daten: vom aktuellen Standort über den Zustand des Akkus bis zu den Motordaten. Insgesamt sind es mehr als 60 Werte, die ohne Unterbrechung übermittelt werden – auch von den Elektro-Fahrzeugen der deutschen Konzerne Daimler, Volkswagen und BMW.

Wie funktioniert das Sammeln der Daten in China?

Das Ergebnis der Datenflut: In den Rechenzentren für „Electric Vehicle Public Data Collecting, Monitoring and Research“ gibt es große Bildschirme an der Wand mit digitalen Karten, auf denen sich in Echtzeit kleine Punkte bewegen. Jeder Punkt ein Elektroauto. Per Klick auf einen solchen Punkt können sich die Mitarbeiter dieser Zentren jederzeit umfangreiche Daten anzeigen lassen, wie Kennzeichen, Baujahr und Halter des Fahrzeugs. Der offizielle Grund für die Erhebung dieser Daten: administrative Zwecke. So soll beispielsweise eine präzisere Verkehrsplanung möglich sein, die öffentliche Sicherheit verbessert werden und Subventionsbetrug bekämpft werden.

Warum ist die Sammelwut in China kritisch zu sehen?

Kritiker sehen in der Flut von Daten einen unverhältnismäßigen Eingriff in die Privatsphäre. Problematisch an diesen Daten ist zum Beispiel, dass sich alleine aus den gesammelten Positionsdaten recht einfach Wohnort und Adresse der Arbeitsstätte ablesen lassen – ebenso, in welchem Supermarkt zu welcher Zeit regelmäßig eingekauft wird, wie oft das Fitness-Studio besucht und wie oft die Mutter im Seniorenheim besucht wird.

Hat der Datenschutz in Deutschland Vorfahrt?

Die Diskussion zum Thema Datenschutz im Auto ist zum Beispiel mit den immer mehr in Mode gekommenen Dashcams bereits in vollem Gange. Zum Schutz anderer Verkehrsteilnehmer verbieten die obersten Datenschutz-Aufsichtsbehörden offiziell den Einsatz der Dashcams, soweit deren Verwendung nicht ausschließlich für persönliche oder familiäre Tätigkeiten erfolgt. Doch wie sieht es mit dem Schutz des Nutzers eines Elektroautos aus?

Um Datensicherheit und Datenintegrität bei der Nutzung von E-Autos zu gewährleisten, wurde das Projekt „Datensicherheit und Datenintegrität in der Elektromobilität beim Laden und eichrechtskonformen Abrechnen“ (DELTA) gestartet. Denn an der Prozess- und Wertschöpfungskette von Ladevorgängen und Mehrwertdiensten sind viele Akteure beteiligt: Fahrzeughersteller, Drittanbieter, Energieversorger, Netzbetreiber oder Flottenmanager. Das ausgemachte Ziel von DELTA ist die Schaffung einer Norm, die den durchgängigen Datenschutz und die Datensicherheit bei Mess- und Abrechnungsprozessen für den Elektromobilitätsnutzer sichert.

Vor dem Kauf von Smartphones oder Fitness-Trackern beschäftigen sich bereits viele Verbraucher mit den Daten, die bei der Nutzung anfallen – und passen die Einstellungen zur Privatsphäre den eigenen Bedürfnissen an. Vor dem Kauf eines Elektroautos bedenken dies jedoch sicher die Wenigsten. Doch das Elektroautos in Deutschland nicht ständig Daten senden, dann nicht, weil es nicht ganz einfach möglich wäre – sondern glücklicherweise, weil es datenschutzrechtlich problematisch wäre.

Wenn Sie sich über das Thema Elektroautos und Datenschutz hinaus auch für Privatsphäre bei weiteren digitalen Themen interessieren, dann schauen Sie doch in unserer Reihe Safer Sunday vorbei.