Jede*r siebte Nutzer*in verliert laut aktuellen Erkenntnissen den Überblick über noch offene Zahlungen. Bei jüngeren Käuferinnen und Käufern liegt der Anteil sogar deutlich höher. “Jetzt kaufen, später zahlen“ liest sich attraktiv und unkompliziert. Die häufigen Konsequenzen: Im Alltag wird das Konzept schnell unübersichtlich. Was schlimmstenfalls droht, ist die Schuldenfalle.
“Buy now, pay later“ (BNPL) beschreibt Zahlungsmodelle, bei denen der Kauf sofort abgeschlossen wird, die Zahlung aber zeitversetzt erfolgt. Käuferinnen und Käufer erhalten die Ware also unmittelbar, während die eigentliche Belastung des Kontos erst später einsetzt. Je nach Anbieter*in kann es sich dabei um eine einmalige spätere Zahlung nach einer bestimmten Frist oder um mehrere, festgelegte Teilbeträge handeln. Häufig werden zusätzlich unterschiedliche Fälligkeitstermine, Erinnerungen und Mahnstufen angeboten, die je nach Dienstleister variieren können. In der Praxis werden solche Modelle fast immer über externe Zahlungsdienstleister abgewickelt, die direkt in den Checkout-Prozess des Online-Shops integriert sind.
Für dich als Käuferin oder Käufer ist das Prozedere auf den ersten Blick denkbar einfach: Bestellung bestätigen, Ware erhalten, später bezahlen. Ein separates Kreditgespräch oder ein klassischer Kreditantrag entfallen, eine Schufa-Abfrage findet – je nach Modell – nur eingeschränkt oder gar nicht statt. Genau diese Niedrigschwelligkeit macht “später zahlen“ so attraktiv. Gleichzeitig führt sie aber dazu, dass viele Bestellungen eher spontan erfolgen und weniger sorgfältig geplant werden.
Diese Trennung von Kauf und Zahlung kann die Wahrnehmung der tatsächlich anfallenden Ausgaben nachweislich verändern: Der finanzielle “Schmerzpunkt“ beim Bezahlen verschiebt sich in die Zukunft. Der aktuelle Kontostand bleibt zunächst unverändert, während sich im Hintergrund offene Forderungen aufbauen. Vor allem bei mehreren parallelen BNPL-Käufen wird es schnell schwierig, den Überblick über alle Fälligkeiten zu behalten – mit entsprechenden Risiken für das eigene Budget.
Die größten Vorteile liegen auf der Hand: Das Modell ist bequem, schnell, es findet kein sofortiger Geldfluss statt, es ist kein klassischer Kreditantrag erforderlich.
Der Betrag wird nicht sofort vom Konto abgebucht. Das schafft finanziellen Spielraum. Gleichzeitig entfällt ein Teil des Risikos, das eine direkte Vorauszahlung mit sich bringt. Zum Beispiel bei Einkäufen bei unbekannten Anbietern und wenn ein Shop nicht liefert. “Später zahlen” ist besonders bei etwas größeren Ausgaben verführerisch. Zum Beispiel beim Kaufen eines neuen Fernsehers, Laptops oder E-Bikes.
In den meisten Fällen ist der Zahlungsaufschub direkt in den Checkout integriert. Es genügen meist ein bis zwei Klicks und “später zahlen” ist aktiviert. Ohne zusätzlichen Aufwand, ohne separate Finanzierung. Bisher wurde ein solcher Zahlungsaufschub nicht wie ein Kredit behandelt. Das soll sich allerdings künftig ändern.
Das Hauptproblem ist die Summe mehrerer Transaktionen – weniger ein einzelner Kauf. Ein einzelner BNPL-Einkauf ist meist gut zu überblicken. Kritisch wird es, wenn im Alltag immer wieder neue Bestellungen hinzukommen: Kleidung hier, Elektronik dort, ein Abo, eine Geschenkbestellung. Mit jeder neuen Bestellung entsteht auch eine neue Zahlungsfrist – oft mit unterschiedlichem Fälligkeitsdatum, unterschiedlichen Beträgen und teils abweichenden Zahlungsbedingungen. So entstehen parallel mehrere “unsichtbare“ Verpflichtungen, die auf dem Kontoauszug zunächst nicht unmittelbar sichtbar sind, aber alle zu einem späteren Zeitpunkt bedient werden müssen.
Parallel dazu laufen Rücksendungen, Gutschriften oder Teilerstattungen. Eine Ware wird zurückgeschickt, die Rechnung bleibt zunächst bestehen. Eine Frist läuft weiter, obwohl der Kauf bereits “gedanklich abgeschlossen“ ist. Auch die Zahlungserinnerungen oder Mahnungen werden zu unterschiedlichen Zeiten und in unterschiedlichen Intervallen versendet.
Werden Fristen übersehen, fallen Mahngebühren oder Verzugszinsen an. Der ursprünglich überschaubare Betrag steigt dadurch Schritt für Schritt an. Offene Beträge können zudem an Inkassodienstleister übergeben werden, auch das ist keine Seltenheit. In Summe können sich auflaufende Zahlungen so schnell zu einer erheblichen, im schlimmsten Fall sogar existenziellen finanziellen Belastung entwickeln.
Gewisse Unsicherheiten bergen tatsächlich auch Rücksendungen. Die Ware ist unterwegs, die Zahlungsfrist läuft währenddessen weiter. Und falls zum Beispiel bestimmte Fristen zur Rücksendung nicht eingehalten werden, dann setzt sich die Forderung fort.
Jede*r Anbieter*in hat eigene Fristen, ein eigenes Rechnungs-, Erinnerungs- und Mahnmanagement. Mal wird ausschließlich per E-Mail kommuniziert, in anderen Fällen kommen zusätzlich Briefe per Post oder Push-Nachrichten in der App hinzu. Teilweise unterscheiden sich auch Tonalität, Häufigkeit und Inhalt der Erinnerungen deutlich voneinander.
Für dich bedeutet das: Offene Zahlungen müssen aktiv zusammengeführt, regelmäßig geprüft und im Alltag bewusst “verwaltet” werden. Fälligkeiten, Teilbeträge und Rückerstattungen müssen im Blick behalten werden, idealerweise in einer eigenen Übersicht oder mit Notizen. Wer parallel bei mehreren Shops und über verschiedene Zahlungsdienste einkauft und dort in Verzug gerät, verliert unter diesen Bedingungen deutlich schneller den Überblick – mit allen damit verbundenen finanziellen Risiken.
Die entscheidenden Geldbeträge sollten möglichst jederzeit im Blick bleiben – idealerweise schon vor dem Klick auf den Button „später zahlen“. Ein Zahlungsaufschub sollte deshalb nur sehr bewusst und so selten wie möglich genutzt werden, also wirklich nur in gut begründeten Ausnahmesituationen. Wer sich frühzeitig einen Überblick verschafft, behält auch bei mehreren Bestellungen die Kontrolle über das eigene Budget. Hilfreich ist es, wenn du dir die wichtigsten Punkte ausdrücklich notierst – zum Beispiel in einer Liste, im Kalender oder in einer Budget-App:
Beim klassischen Rechnungskauf rechnet meist der Shop selbst ab; BNPL läuft fast immer über einen Zahlungsdienstleister. Genau dadurch wird die Lage für Verbraucherinnen und Verbraucher unübersichtlicher.
Mehr dazu in unserem Beitrag zu sicheren Zahlungsarten.
Aufsichtsbehörden und Verbraucherschutzorganisationen beschäftigen sich derzeit zunehmend mit BNPL-Modellen. Sie beobachten sehr genau, wie stark diese Zahlungsart genutzt wird, welche Zielgruppen besonders häufig betroffen sind und an welchen Stellen es vermehrt zu Zahlungsproblemen oder Überschuldung kommt. Hintergrund ist die Sorge, dass vermeintlich unkomplizierte Kleinstkredite zu einer schleichenden finanziellen Belastung werden können – insbesondere dann, wenn Transparenz und Aufklärung fehlen.
Neue gesetzliche Regelungen wurden auf europäischer Ebene bereits beschlossen und werden in den kommenden Jahren nach und nach umgesetzt. “Später zahlen” wird dann rechtlich weitgehend einem klassischen Kredit gleichgestellt. Das bedeutet: strengere Informationspflichten, klarere Vorgaben zur Bonitätsprüfung und höhere Anforderungen an die Kommunikation von Kosten und Risiken. Die Auflagen und Voraussetzungen für Anbieter*innen werden entsprechend höher – und damit auch die Hemmschwelle für einen schnellen Abschluss im Checkout. Im Umkehrschluss ist davon auszugehen, dass sich manche Käufer*innen bewusster mit der eigenen Zahlungsfähigkeit auseinandersetzen und insgesamt weniger spontane Käufe per BNPL tätigen.
Die BaFin (Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht) verweist auf die neue EU-Verbraucherkreditrichtlinie, die Deutschland spätestens Ende 2026 umsetzen muss. Damit werden künftig auch viele kleine oder bisher ausgenommene BNPL-Modelle stärker reguliert.