Sie bekommen eine Rechnung für etwas, das Sie gar nicht gekauft haben? Dann könnte es sein, dass Ihre persönlichen Daten ausgespäht und missbraucht wurden. Es könnte aber auch sein, dass Ihr Kind mit Ihren Daten auf Online-Shoppingtour war. Was Sie dringend als erstes tun sollten: dem Kauf widersprechen. Wie das geht und was Sie sonst noch tun können, um sich und Ihre Kinder zu schützen, lesen Sie hier.

Kinder sind als die Kunden von morgen eine stark umgarnte Zielgruppe im E-Commerce. Doch was, wenn diese Kinder nicht erst morgen, sondern heute schon einkaufen – und das ohne die Zustimmung der Eltern? Gelegenheiten dazu bieten sich viele: in Online-Shops, auf Marktplätzen, in App-Stores oder in Spielen.

Als erstes: Widerrufen

Am besten widerrufen Sie den Vertrag schriftlich. Schreiben Sie dazu den Anbieter an und teilen Sie ihm mit, dass Ihr Kind den Kauf ohne Ihre Zustimmung getätigt hat und der Kaufvertrag nicht gültig ist. Wie Sie eine Bestellung widerrufen, können Sie in unserem Beitrag Online-Shopping-Wissen: Alles zum Thema Widerruf nachlesen.

Haben Sie klargestellt, dass Sie mit dem Kauf Ihres Kindes nicht einverstanden sind, muss der Verkäufer den Kaufpreis zurückerstatten (und Sie natürlich die Ware retournieren).

Dürfen Kinder überhaupt online shoppen?

Mit dem siebten Geburtstag bis zum 18. Geburtstag gilt Ihr Kind als „beschränkt geschäftsfähig“. Das bedeutet: wenn Ihr Kind über eine App, in einem Spiel oder über eine Internetseite einen Vertrag mit einem Drittanbieter abschließt, ist dieser zunächst unwirksam. Er wird erst gültig, wenn Sie als Elternteil Ihr Einverständnis geben. Das gilt übrigens auch offline: kauft Ihr Kind ohne Ihre Zustimmung einen Fußball im Fachhandel, können Sie mit dem Ball zurück in den Laden gehen, den Ball zurückgeben und sich das Geld erstatten lassen.

Kleine Ausnahme: der Taschengeldparagraph

Damit Kinder den Umgang mit Geld üben können, gibt es den sogenannten Taschengeldparagraphen. Der besagt, dass Ihr Kind von seinem zugeteilten Taschengeld alles kaufen darf, was altersgerecht ist, ohne, dass die Eltern beim Kauf dabei sein müssen. Das ist aber kein Freifahrtschein für den Nachwuchs, nach Herzenslust zu shoppen. Auch hier können Sie als Elternteil den Anbieter jederzeit anschreiben und erklären, dass Sie von dem Kauf nichts wussten und ihn auch nicht genehmigen. Sie können also auch dann die gekaufte Ware zurückschicken und müssen nicht bezahlen.

Und wenn’s schon abgebucht ist?

Wichtig ist, dass Sie das Geld für den Einkauf Ihres Kindes nicht aktiv überwiesen haben. Denn damit zeigen Sie, dass Sie mit dem Kauf einverstanden sind und den Kaufvertrag genehmigen. Anders ist das bei allen anderen Zahlungsarten, beispielsweise bei der Abrechnung über die Kreditkarte oder über die Handyrechnung. Rechtlich darf es nicht darauf ankommen, welche Zahlungsart Ihr Kind ausgewählt hat, damit Ihnen ein Genehmigungsrecht zusteht oder nicht.

Wichtig: Sie haben auch bei einem virtuellen Kauf immer das Recht auf nachträgliche Verweigerung der Genehmigung und damit ein Recht auf Rückerstattung des Kaufpreises. Daran müssen sich sowohl Shopbetreiber als auch zum Beispiel Ihr Mobilfunkanbieter halten.

Und die Aufsichtspflicht?

Rechtsexperten sind sich hier einig: Ihnen kann in der heutigen Zeit nicht zugemutet werden, das Surfverhalten Ihres Kindes ununterbrochen zu kontrollieren und zu bewachen. Ein Schadensersatzanspruch aufgrund einer angeblichen Verletzung Ihrer Aufsichtspflicht besteht also generell nicht.

Wie schützen Sie sich (und Ihr Kind) in Zukunft?

So positiv es auch ist, dass Sie nicht für heimlich getätigte Einkäufe Ihrer Kinder einstehen müssen: besser ist es natürlich, sich die ganze Aufregung und den Aufwand ganz zu ersparen. Und die Rücksendekosten müssen Sie in der Regel zum Beispiel trotzdem tragen.

Vermeiden Sie, dass Ihre Bezahldaten bei Geräten, die für Ihr Kind nicht durch ein Passwort gesperrt sind, automatisch hinterlegt sind. Überlegen Sie außerdem mit Ihrem Kind gemeinsam, wo sich überall „Gelegenheiten“ bieten, Käufe zu tätigen. So zum Beispiel in dem Markplatz, der auf dem Familien-Tablet so bequem zu erreichen ist, im Lieblingsspiel auf der Spielkonsole oder wie Klingeltöne über den Handyanbieter. Sensibilisieren Sie Ihr Kind dafür, niemals einen „Jetzt bestellen“ oder „Jetzt kaufen“ Button zu drücken, ohne vorher mit Ihnen zu sprechen. Geben Sie zusätzlich einen klaren Rahmen vor, in dem Ihr Kind einkaufen kann — beispielsweise durch festgelegte Budgets für den App-Store oder Online-Shops.