Wie lange habe ich Zeit, um Waren zurückzusenden? Benötige ich die Originalverpackung? Der Widerruf ist eines der wichtigsten Themen beim Online-Shopping. Unser Rechtsexperte Dr. Carsten Föhlisch weiß genau, welche Rechte beim Online-Shopping Sie haben. 

Trusted Shops Rechtsexperte Dr. Carsten Föhlisch

Der Trusted Shops Rechtsexperte Dr. Carsten Föhlisch

Wer schon mal online eingekauft hat, hat sicher auch schon Teile von Bestellungen zurücksenden wollen. Dabei kommt immer wieder Unsicherheit darüber auf, welche Fristen gelten oder was eigentlich erlaubt ist. Unser Rechtsexperte kennt Ihre Rechte beim Online-Shopping.

Diese 5 Rechte beim Online-Shopping sollten Sie kennen

So lange haben Sie wirklich Zeit für den Widerruf

Dr. Carsten Föhlisch: Die gesetzliche Widerrufsfrist beträgt 14 Tage. Einige Online-Marktplätze verlängern diese Widerrufsfrist. Auch Online-Shops wie asos.de bieten Ihren Kunden eine verlängerte Frist von ganzen 45 Tagen.

Was viele Käufer jedoch nicht wissen: Im Anschluss an die 14 Tage für den schriftlichen Widerruf an sich, haben Sie erneut 14 Tage Zeit, um die Ware zurückzusenden. Sie haben also länger Zeit, um die bestellte Ware zu testen.

So dauert die Widerrufsfrist noch länger an

Dr. Carsten Föhlisch: Nehmen wir an, Sie haben zwei T-Shirts auf einmal bestellt. Geliefert werden diese aber getrennt, da das zweite erst drei Monate später lieferbar ist. In diesem Fall läuft die Widerrufsfrist erst mit Erhalt der zweiten Ware. Sie können das erste, sofort gelieferte T-Shirt, noch nach drei Monaten und 14 Tagen widerrufen.

Bei einer regelmäßigen Lieferung im Rahmen von Abonnements (wie beispielsweise bei Rasierklingen oder Katzenfutter) läuft die Frist jedoch schon ab Erhalt der ersten Ware.

Diese Artikel sind wirklich vom Widerruf ausgenommen

Dr. Carsten Föhlisch: Vom Widerruf ausgenommen sind Hygieneartikel. Dazu gehören jedoch nur die wenigsten Waren. Mittlerweile können Sie laut EuGH sogar probegeschlafene Matratzen zurückgeben. Auch getragene Badeanzüge oder Schuhe sind nicht vom Widerruf ausgeschlossen.

Was Sie jedoch beachten sollten: Bei der Nutzung, die über eine Prüfung hinaus geht, müssen Sie unter Umständen sogenannten Wertersatz leisten. In diesem Fall wird Ihnen nicht der volle Kaufpreis erstattet. Voraussetzung hierfür ist allerdings eine korrekte Belehrung des Händlers über diesen Wertersatz.

Der Irrtum um die Originalverpackung

Dr. Carsten Föhlisch: Auch, wenn Ihnen die mitgeschickte Originalverpackung fehlt, können Sie die Ware im Rahmen des Widerrufs zurücksenden. Die häufig verwendete AGB-Klausel „Rücksendung nur in Originalverpackung“ ist unwirksam. Haben Sie also den Karton des online bestellten Toasters oder der Schuhe nicht mehr, können Sie die Waren auch in einem anderen Karton zurücksenden, ohne dass der Kaufpreis gemindert werden darf.

Eine Ausnahme besteht lediglich in dem Fall, wenn die Verpackung Teil eines Produktes ist. So trifft dies bei einer hochwertigen Rolex-Uhr oder einem exklusiven Parfüm zu. Hier dürfen Sie zwar auch widerrufen, müssen aber mit Abzügen bei einer fehlenden Verpackung rechnen.

Wann ein Online-Shop wirklich stornieren darf 

Dr. Carsten Föhlisch: Geben Sie Ihre Bestellung auf und leisten eine sofortige Bezahlung — über SofortÜberweisung, PayPal, Giropay etc. — , so schließen Sie einen Vertrag mit dem Online-Händler ab. Grundsätzlich müssen Verträge eingehalten werden. Der Händler darf seinerseits die Bestellung also nicht einfach „stornieren“. Dies tritt häufig auf, wenn die Ware ausverkauft ist oder ein falscher Preis ausgezeichnet war.

Dieses Vorgehen ist nur unter engen Voraussetzungen, beispielsweise bei einem gültigen Selbstbelieferungsvorbehalt oder unverzüglicher Anfechtung nach einem anerkannten Preisirrtum möglich. Die Bedingung wird ebenso nicht ausgehebelt, wenn der Shop in seinen AGB den Hinweis aufnimmt, ein Vertrag komme erst mit Lieferung zustande. Dies trifft nur bei den Zahlungsarten Lastschrift, Rechnung oder Kreditkarte bei späterer Zahlung zu, da noch kein Vertrag geschlossen ist.