Ob bei der Buchung von Urlauben, der Suche nach einem neuen Stromanbieter oder einem besseren Handyvertrag — Vergleichsportale zeigen Ihnen, welcher Anbieter von Waren oder Dienstleistungen die besten Konditionen anbietet. Doch wie vertrauenswürdig sind ihre Urteile? Das sollten Sie wissen, wenn Sie Vergleichsportale nutzen.

CHECK24 oder Verivox gehören zu den zahlreichen Portalen, die Ihnen bei Kaufentscheidungen oder einem Vertragsabschluss helfen wollen. Mittlerweile mischt auch Google bei Flug- und Hotelbuchungen zunehmend mit. Mit steigendem Einfluss dieser Plattformen wird auch die Kritik lauter. Zuletzt kreidete die Zentrale zur Bekämpfung unlauteren Wettbewerbs die genannten Portale wegen irreführender Informationen an.

Nach welchen Kriterien werden die Anbieter also bewertet? Und sind die Webseiten wirklich so objektiv, wie sie erscheinen? Wir werfen einen Blick auf die Vertrauenswürdigkeit von Vergleichsportalen.

Warum werden Vergleichsportale immer beliebter?

Vergleichsportale sollen Orientierung im Tarifdschungel von Grundversorgern, Versicherungen oder dem riesigen Produktangebot von Online-Shops bieten. Auch für Urlaubsreisen bieten Sie ihren Dienst schnell und kostenlos an — ein bequemer Service, den Viele nicht mehr missen wollen. Auf der Suche nach dem aktuellen besten Preis-Leistungs-Verhältnis sind sie kaum wegzudenken.

Wer hat schon die Zeit und die Muße alle Angebote und Konditionen von Stromanbietern zu recherchieren und gegenüberzustellen? Laut Bundeskartellamt entstand 2018 so mittlerweile fast jeder vierte Vertrag mit einem Energieversorger über Vergleichsportale. Doch die Portale haben sich nicht nur Verbraucherinteressen verschrieben.

Wie kommen die Ranglisten bei Vergleichsportalen zustande?

Wonach die Ergebnisse der jeweiligen Suche geordnet werden, ist nicht vollständig transparent. Die Resultate sind je nach Portal beeinflusst von Provisionszahlungen oder Werbeanzeigen und spiegeln nicht realistisch den jeweiligen Markt wider. Handelt es sich bei einer Empfehlung um eine neutrale Information oder einen bezahlten Werbeplatz? Das bleibt auf den ersten Blick oft unklar.

Auch die dargestellten Preise für Mobilfunkverträge müssen nicht der Realität entsprechen. Es handelt sich unter Umständen um einen monatlichen Durchschnittspreis, der nicht immer zutrifft. Die Sortierung nach dem günstigsten Preis muss also nicht die sinnvollste sein.

Aufgrund dieser Problematiken kritisieren Politiker die fehlende Regulierung der Portale und wollen verbindliche und nachprüfbare Vorgaben. Auch Verbraucherschützer fordern eine Haftung für Vergleichsportale. Sie sollen in Verantwortung gezogen werden, wenn Verbraucher durch Ihre Empfehlungen Schaden tragen.

Warum sollten Sie bei Vergleichsportalen kritisch bleiben?

Wenn Sie die Beurteilung von Vergleichsportalen für sich nutzen wollen, sollten Sie bedenken, dass die Online-Plattformen nicht neutral sind. Es handelt sich um kommerzielle Anbieter. Sie agieren — beispielsweise wie Verivox bei Kfz-Versicherungen — als Versicherungsmakler, die bei erfolgreicher Vermittlung von neuen Kunden Provisionen erhalten. Dies wird im Kleingedruckten unter „Erstinformation“ offen gelegt. Dennoch präsentiert sich die Plattform als „Unabhängiges Online-Verbraucherportal“.

Hat ein Anbieter keine Vereinbarung über Provisionen mit der Online-Plattform, so tauchen sie im Preisvergleich womöglich nicht auf oder werden bedeutend unauffälliger dargestellt. Beim Beispiel CHECK24 werden daher bei der Versicherung HUK-Coburg nur die Leistungen und keine Preise angezeigt. Hervorgehoben hingegen werden „Teilnehmende Versicherungen“, die man über das Vergleichsportal direkt abschließen kann.

Vergleichsportale vertrauenswürdig

So erscheint bei CHECK24 eine „teilnehmende Versicherung“.

Vergleichsportale vertrauenswürdig

Die HUK-Coburg ist kein Vertragspartner von CHECKk24.

Auch bei der Darstellung des Vergleichs von Kreditanbietern verhindern voreingestellte Filter, dass das gesamte Angebot vorgestellt wird. So werden einem zunächst nur „CHECK24 geprüfte Banken/Vermittler“ aufgelistet. Beim Vergleich von Reisen hingegen, verdienen die Portale durch die Vermittlung von zusätzlichen Angeboten. Dazu gehören Reiserücktrittsversicherungen, vorgeschlagene Hotels und Mietwagen. Oder es werden zusätzliche Servicegebühren erhoben.

Ebenso leisten die Portale bei den vorgeschlagenen Anbietern keinen umfassenden Hintergrundcheck und prüfen z.B. die finanzielle Situation. In der Vergangenheit waren Nutzer dieser Portale zum Beispiel durch insolvente Billiganbieter betroffen. Im Falle der BEV (Bayerische Energieversorgungsgesellschaft) wurden Verbraucher beim Wechsel des Stromanbieters mit günstigen Angeboten gelockt, dann mit massiven Preiserhöhungen und zuletzt der Pleite des Unternehmens konfrontiert.

So sollten Sie beim Anbieter- und Preisvergleich vorgehen

Vergleichsportale sind nicht per se zu meiden. Sie sollten jedoch wissen, wie man Sie verwendet. Wenn Ihnen bei Ihrer Suche nach einer neuen Versicherung die vermeintlich besten Angebote angezeigt werden, sollten Sie nach einer ersten Orientierung die Preise mit einer anderen Plattform und einem Direktversicherer abgleichen. So haben Sie die größere Chance wirklich Geld zu sparen. Es ist durchaus möglich, dass ein Vergleichsportal Ihnen Rabatte durch seine Zusammenarbeit mit dem Versicherer weitergibt.

Achten Sie auf die eventuell voreingestellten Filter bei Ihrer Suche und stellen Sie diese nach Möglichkeit aus, um ein umfassenderes Bild des Angebots zu erhalten. Seien Sie bei günstig erscheinenden Tarifen vorsichtig und prüfen Sie, ob diese im nächsten Vertragsjahr bedeutend teurer werden. Kontrollieren Sie am besten auch die Erfahrungen von anderen Verbrauchern, indem Sie nach Kundenrezensionen recherchieren.

Besonders im Zuge der Buchung von Urlaubsreisen sollten Sie die Preise für Flüge oder Übernachtungen im Auge behalten. Es kommt vor, dass die angezeigten Preise der Portale zunächst unter denen der Fluggesellschaften liegen. Am Ende des Buchungsprozesses ist der Gesamtpreis jedoch plötzlich höher. Dies könnte auch an der von Ihnen gewählten Zahlungsart oder Servicegebühren liegen. Prüfen Sie dann, ob Sie bei einer direkten und separaten Buchung von Flug und Hotel sparen würden.

Wie Sie sehen, nehmen Ihnen Vergleichsportale nicht die gesamte Mühe ab, das beste und passendste Angebot für Sie zu finden. Investieren Sie bei wichtigen Entscheidungen lieber etwas mehr Zeit, um das Angebot gut informiert und kritisch zu überblicken.