In Deutschland gibt es bei Spielen und Filmen eine Altersbeschränkung. Wie Online-Shops und die Versanddienstleister diese umsetzen, wie einfach man diese umgehen kann und wie die Lage in anderen Ländern ist, zeige ich dir in diesem Artikel.

Zu Beginn schauen wir erst mal, wie die Einstufungen überhaupt vorgenommen werden. Als Beispiel dafür habe ich die Kategorie Videospiele ausgewählt. In Deutschland ist die Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle, kurz USK, für die Einstufung von Spielen verantwortlich. Es gibt Freigaben ab 0, 6, 12, 16 und 18, außerdem kann die USK auch die Freigabe verweigern, die BPjM (Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien) indiziert danach oftmals das Spiel.

Die Indizierung von Filmen und Spielen

Für Videospiele und Filme sind hierbei die Listen A und B wichtig. Medien, die auf Liste A landen, dürfen in Deutschland nicht öffentlich beworben, allerdings noch (auf direkte Nachfrage des Kunden) „unter der Ladentheke“ verkauft werden. Liste B führt zu einem vollständigen Verkaufsstopp.

Dieses Verfahren steht bereits seit Jahren in der Kritik. Kritisiert wird primär, dass das Gremium der BPjM, das über die Indizierung entscheidet, Sichter bestellt, die den Inhalt des Spiels wiedergeben. Die Mitglieder des Gremiums spielen das Spiel nicht selber. Die Bundesprüfstelle reagierte auf die Kritik: „Es ist nicht davon auszugehen, dass alle Gremien, die sich mit der Einschätzung jugendbeeinträchtigender (…) Wirkung von Computerspielen auseinandersetzen die Computerspiele selbst (…) durchspielen müssen“.

PS4 ControllerWas bedeutet das? Es können Spiele und Filme indiziert und somit potenziellen Spielern vorenthalten werden, da ein Gremium, das die Spiele nicht mal selber gespielt hat, so entscheidet. Auf der einen Seite ist ein Bewerbungsverbot natürlich gut – Jugendliche und Kinder erfahren so im Idealfall nicht mal etwas von den Medien, die ihre Entwicklung beeinträchtigen könnten. Doch auch den volljährigen Menschen werden dadurch Inhalte vorenthalten.

Wie prüfen Online-Shops und Paketdienste das Alter?

Jetzt kümmern wir uns aber erst mal um die Medien, die auf keiner der beiden Listen gelandet sind, sondern von der USK eine Einstufung erhalten haben. Spiele mit einer Einstufung von ab 0, 6 oder 12 lassen sich ohne eine Altersprüfung bestellen. Bei Spielen ab 16 oder 18 gibt es zwei verschiedene Methoden, mit denen Online-Shops dein Alter verifizieren:

Viele Online-Shops fordern nach oder während der Bestellung einen Scan deines Personalausweises. Teilweise wird sogar ein Foto gefordert, auf dem dein Gesicht gut sichtbar ist und sich der Ausweis in deiner Hand befindet, um zu verifizieren, dass es sich auch tatsächlich um deine Papiere handelt. Beim nachfolgenden Versand wird dann an den Paketdienst der Auftrag gegeben, die Sendung nur an die vom Shop zuvor verifizierte Person abzugeben. Der Zusteller wird also erneut deinen Ausweis kontrollieren.

Einige Online-Shops verifizieren dein Alter nicht, sondern lassen dies vom Paketdienst übernehmen, was die Versandkosten erhöht. Die DHL verlangt hierfür pauschal 1,19 Euro. Es gibt verschiedene Versandaufkleber, die den Zusteller anweisen, dein Alter beim Überreichen der Sendung zu überprüfen. Auf eine Prüfung des Lichtbildausweises „kann verzichtet werden, wenn der Zusteller aufgrund der Gesamtumstände eindeutig davon ausgehen darf, dass die Empfangsperson das Mindestalter erreicht.“

Einige Online-Shops verbinden gar beide Methoden, um die höchstmögliche Sicherheit zu gewährleisten.

Wie ist die Situation in anderen Ländern?

Du merkst, sowohl das deutsche Einstufungssystem selber, als auch der Versand dieser Spiele und Filme, ist sehr kompliziert und oftmals auch nicht gerade transparent. Auf Grund dessen wird seit einiger Zeit gefordert, dass Deutschland sich der Pan European Game Information, kurz PEGI anschließt. In der Politik hat sich unter anderem die Piratenpartei dafür stark gemacht.

Die PEGI prüft, ebenso wie die USK, Videospiele und kennzeichnet diese. Die Kennzeichen weichen leicht ab, so gibt es statt „ab 6“ bei PEGI „ab 7“. Außerdem erhält jedes Spiel eine Kennzeichnung, eine Indizierung findet nicht statt. Deutschland ist das einzige Land in Europa, das ein eigenes Einstufungssystem besitzt. Es wird argumentiert, dass ein Anschluss an das System die Kosten für Deutschland und auch für die Spieleverlage (Publisher) senken würde, da eine Einstufung durch die USK Gebühren kostet.

Wichtig zu wissen ist außerdem, dass die PEGI-Einstufungen in den meisten dem System angeschlossenen Ländern nur eine Empfehlung darstellen, die Eltern darauf hinweisen sollen, ob das Medium für das eigene Kind geeignet ist. In Deutschland ist die USK Vorschrift, der Kauf eines nicht für das jeweilige Alter der Person freigegebenen Spiels ist (zumindest theoretisch) nicht möglich.

Until Dawn PEGI AT-Version

Diese Version von Until Dawn stammt nicht aus Deutschland, das Logo der PEGI-Einstufung ist abgedruckt.

Durch die Möglichkeit der Indizierung in Deutschland kommt es außerdem gelegentlich zur Selbstzensur der Spielemacher, die durch eine gemilderte Version dem Index entgehen wollen. Auch Symbolik (zum Beispiel Hakenkreuze) werden entfernt, während diese in Filmen kein Problem sind. In Inglorious Basterds zum Beispiel werden Hakenkreuze dargestellt. Dabei dient der Film definitiv nicht der geschichtlichen Aufklärung. In Spielen wie Wolfenstein musste die Symbolik allerdings entfernt werden.

Wie lässt sich die deutsche Indizierung und Einstufung umgehen?

Wegen der Indizierung, der Selbstzensur der Publisher, dem undurchsichtigen Einstufungssystem, den sehr großen USK-Logos auf den Covers, die in mancher Augen die Optik zerstören und den Schwierigkeiten beim Versand der Medien hat sich in den letzten Jahren der Trend entwickelt, Spiele in Österreich oder Großbritannien zu bestellen.

Sherlock Holmes: The Devils Daughter PEGI

Das USK-Logo (grün) und das PEGI-Logo (gelb) im direkten Größenvergleich.

Verschiedene Online-Shops haben sich darauf spezialisiert, zeigen häufig auch bereits auf den Produktseiten an, dass es sich um ungeschnittene Versionen der Spiele handelt oder werben mit kostenlosem Versand, der bei innerdeutschen Bestellungen aufgrund der Gebühren, die die Paketdienste erheben, häufig nicht gegeben ist.

Es erfolgt entweder gar keine Altersprüfung, was nach dem Recht der meisten Export-Länder auch vollkommen korrekt ist, oder eine informelle Frage ob man denn schon 18 Jahre alt ist, auf die wohl niemand mit „Nein“ antworten würde.

Manchmal sind die Spiele dort sogar billiger, weil in einigen Export-Ländern (zum Beispiel der Slowakei) auf Grund des geringeren Wohlstandes Spiele günstiger angeboten werden. Hierbei handelt es sich dann aber um sogenannte Grauimporte, da es vom Hersteller nicht vorgesehen war, dass das Produkt auf diesem Wege in den deutschen Handel gelangt. Die Preise in Deutschland und Österreich sind hingegen meistens gleich. Sorgen um den Zoll musst du dir (zumindest bei Bestellungen aus Österreich) auch keine machen.

Ist das denn legal?

Als volljährige Person in Deutschland indizierte Spiele aus anderen Ländern importieren ist definitiv erlaubt. „Nach dem Jugendschutzgesetz dürfen Sie Spiele, die in Deutschland auf dem Index stehen, per Versand aus dem Ausland bestellen“, sagte Ursula von der Leyen 2009, damals noch in ihrer Funktion als Familienministerin. Es kann allerdings passieren, dass die Lieferung vom Zoll kontrolliert wird. Stellt dieser dann fest, dass es sich bei dem Spiel oder dem Film um in Deutschland indiziertes Material handelt, zieht der Zoll die Sendung ein und der Empfänger bekommt diese nicht.

Bei Bestellungen von Ab-18-Titeln durch minderjährige Personen wird es allerdings schon komplizierter, ein klares „Ja, du darfst“ oder „Nein, du darfst nicht“ ist unmöglich zu finden.

Besonders schwierig wird es dann bei Spielen, die in Deutschland geschnitten, in Österreich aber ungeschnitten erschienen sind. Es handelt sich de facto um ein anderes Spiel, das in Deutschland bisher gar nicht eingestuft wurde.

Mein Fazit

Sollte man Spiele denn nun aus anderen Ländern importieren? Eine klare Empfehlung können wir hier genauso wenig aussprechen wie eine Warnung. Als minderjährige Person befindet man sich mit dem Import von nicht altersgerechten Medien mindestens in einer Grauzone, wenn nicht gar im Bereich des Verbotenen.

Volljährigen Online-Shoppern droht wiederum absolut keine Gefahr, selbst der Import von hierzulande indizierten Spielen ist erlaubt. Wer aber auf Nummer sicher gehen will, dem können wir unsere zertifizierten Shops mit Gaming-Bezug ans Herz legen.

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