Wenn es um die Verwaltung des eigenen Nachlasses geht, scheint der Weg zum Anwalt oder Notar unvermeidbar – und vor allem teuer. Deshalb bieten immer mehr Portale die Nachlassverwaltung online an. Wir klären auf, was es mit dem Online-Testament auf sich hat.

Niemand denkt gerne darüber nach, was nach dem Tod mit dem eigenen Hab und Gut geschehen soll. Nur ein Bruchteil der Deutschen ein Testament abgeschlossen. Gründe dafür gibt es viele: Manchmal ist gar kein Testament vonnöten, da nach der gesetzlichen Erbfolge vererbt werden soll. Manche fühlen sich noch zu jung oder sehen keinen konkreten Anlass, sich mit dem Thema auseinander zu setzen. Doch frühzeitig kümmern ist leider wichtiger als einem vielleicht lieb ist.

Was ist ein Testament?

Ein Testament ist ein Dokument, in dem festgehalten wird, was nach dem Tod einer Person mit ihrem Vermögen geschieht. Wenn eine Person über kein Testament verfügt, greift die gesetzliche Erbfolge. Ein Testament ist also in den Fällen wichtig, wenn man anders vererben will, als es das Gesetz vorsieht. Dies kann vor allem für unverheiratete und kinderlose Paare, Alleinstehende oder Patchwork-Familien wichtig sein.

Doch, egal in welchem Familienstand Sie sich befinden: Um Unstimmigkeiten aus dem Weg zu gehen, sollte sich jeder mit seiner Erbfolge beschäftigen — auch wenn das zu vererbende Vermögen (noch) recht klein scheint und keine Immobilien vorhanden sind.

Neben dem Vererben des Vermögens sollten Sie zudem über weitere Vorsorgemaßnahmen nachdenken. Weitere Bestimmungen und die dazugehörigen Dokumente sind zum Beispiel:

  • Vorsorgevollmacht: Welche Person möchten Sie bevollmächtigen, in Ihrem Willen zu entscheiden, wenn Sie nicht mehr entscheidungsfähig sind?
  • Patientenverfügung: Welche medizinischen Maßnahmen sollen im Notfall durchgeführt oder unterlassen werden?
  • Sorgerechtsverfügung: Wer soll im Todesfall Vormund für die minderjährigen Kinder werden?
  • Bestattungsverfügung: Wie möchten Sie bestattet werden?

Auch über Ihren digitalen Nachlass sollten Sie sich Gedanken machen. Wie Sie Ihr digitales Erbe verwalten können, haben wir im Rahmen unserer Safer Sunday-Reihe für Sie zusammengefasst.

Das müssen Sie beim Testament beachten

Wenn Sie sich dazu entschließen, ein Testament aufzusetzen, sollten Sie sich überlegen, ob ein Einzeltestament oder gemeinschaftliches Testament am besten zu Ihren Vorstellungen passt. Ein gemeinschaftliches Testament kann bei einer Ehe oder eingetragenen Lebenspartnerschaft sinnvoll sein, wenn Partnerin oder Partner als Alleinerbe eingetragen werden soll (auch Berliner Testament genannt).

Für alle Testamentarten gilt: Das Dokument muss handschriftlich verfasst und mit Datum, Ort sowie Unterschrift (Vor- und Nachname) versehen sein. Ein selbst erstelltes Testament sollte man an einem sicheren Ort (zum Beispiel im Safe) aufbewahren oder beim Amtsgericht hinterlegen lassen.

Wahlweise kann das Testament mit professioneller rechtlicher Hilfe erstellt werden. Wenn das Testament gemeinsam mit einem Notar erstellt worden ist, ist dieses nicht nur garantiert rechtssicher, sondern kann durch die Registrierung bei der Bundesnotarkammer im Todesfall in jedem Fall gefunden werden.

Wie erstellt man ein Testament online?

Mittlerweile gibt es aber auch immer mehr Anbieter, die eine kostengünstige und schnelle Lösung versprechen, mit dem das Testament online erstellt werden kann. Auch andere Vorsorgedokumente sollen bei den Online-Anbietern erstellt werden können. Dabei wird in der Regel nach dem folgenden Muster vorgegangen:

Zunächst wählen Sie das Dokument aus, das Sie erstellen möchten und für wen Sie es erstellen möchten — etwa für Sie selbst, Ihre/n Partner/in oder aber ein Familienmitglied. Je nach Dokument werden Ihnen nun Fragen zur Person gestellt. Die Fragen beziehen sich zum Beispiel auf die Familiensituation, die finanzielle Situation sowie den gesundheitlichen Zustand. Auf Basis Ihrer Antworten werden Textbausteine erzeugt, die Sie gesammelt in einem Dokument herunterladen können. Laut der Anbieter sind die Fragen und Ergebnisbausteine rechtlich stets aktuell und wurden von Anwälten erstellt.

Doch auch bei Online-Testamenten gilt: Ein Testament muss weiterhin handschriftlich verfasst und unterzeichnet sein. Sie müssen die Textbausteine also ab- und unterschreiben, damit diese rechtswirksam werden.

Fazit: Das taugen die Online-Hilfen

In einem umfassenden Test hat Stiftung Warentest fünf Anbieter für Online-Testamente einer Prüfung unterzogen*. Dabei lieferten nicht alle Anbieter brauchbare Vorlagen. Zwei Shops, die mit unserem Gütesiegel ausgezeichnet sind, konnten jedoch überzeugen:

Bei afilio.de erhalten Sie ein rechtssicheres Testament und gut verständliche Hinweise zu rechtlichen Sachverhalten. Über die Bedarfsanalyse können Sie sich zudem im Vorfeld beraten lassen, welche Dokumente für Sie relevant sein könnten. Der Testsieger informiert Sie zusätzlich über Gesetzesänderungen, bei denen Sie Ihr Testament anpassen müssten. Das Testament sowie andere Dokumente können Sie kostenlos erstellen.

Ebenfalls gut abgeschnitten hat der Anbieter smartlaw.de, der auch mit unserem Gütesiegel ausgezeichnet ist. Bei beiden Anbietern können Sie also nicht nur ein brauchbares Testament erstellen, sondern auch sicher bestellen.

Jedoch sollten Sie die Testamentsvorlagen in keinem Fall ohne Prüfung übernehmen und abschreiben. Denn gerade kompliziertere Familienverhältnisse (z. B. Patchwork-Familien), hohe Erbsummen oder Vererben ins Ausland können die Online-Testamente nur schwer abbilden. Hier gilt: Besser dem Profi überlassen, damit am Ende alles nach Ihren Vorstellungen und vor allem rechtssicher ist. Die Ergebnisse der seriösen Anbieter von Online-Testamenten können jedoch eine gute Hilfestellung sein, wenn Sie sich noch intensiv mit dem Thema auseinandergesetzt haben.

* Quelle: Stiftung Warentest, August 2018