Wettervorhersagen, vorgeschlagene Produkte oder Suchmaschinenergebnisse — Algorithmen stecken hinter vielen Dingen, die wir im Alltag tun. Doch was ist ein Algorithmus eigentlich genau? Wir blicken auf bekannte Beispiele und klären darüber auf, was an ihnen kritisiert wird.

Algorithmen kurz erklärt

Algorithmen können als automatisierte Entscheidungssysteme beschrieben werden. Sie sind mathematisch-statistische Verfahren, die auf der Basis von Daten Wahrscheinlichkeiten berechnen und Aussagen über die Zukunft treffen können. So abstrakt dies klingen mag, so oft begegnen wir ihnen unbemerkt. Denn Algorithmen stecken in der Software unzähliger elektronischer Geräte, die wir nutzen.

Mit zunehmender Digitalisierung und auch Vernetzung produzieren wir — z.B. durch die Verwendung unseres Smartphones — immer mehr Daten, die von Algorithmen analysiert werden können. Ihre Verbreitung ist durch die gestiegene Rechenleistung von Computern möglich und da die Menge der Daten immer weiter ansteigt, nimmt die Bedeutung von Algorithmen weiter zu.

Sicher haben Sie sich von Ihrem Navigationsdienst schon mal den kürzesten Weg zur Arbeit anzeigen lassen. Auch hier machen Algorithmen die Arbeit. Ebenso passen Sie die Strecke an, wenn Faktoren wie Unfälle, ungünstige Wetterlagen oder Baustellen auf Staus hinweisen. Weitere Einsatzgebiete in größerem Rahmen sind zum Beispiel die Überwachung von Überweisungen durch Finanzinstitute, die durch einzelne Mitarbeiter nicht zu stemmen wären.

So begegnen uns Algorithmen im Alltag

Algorithmen beim Online-Shopping

Die Anwendung von Algorithmen kann Ihnen im Alltag auch ganz beiläufig erscheinen, wie zum Beispiel bei empfohlenen Produkten beim Online-Shopping. Sicher kennen Sie Hinweise wie „Menschen, die dieses Produkt gekauft haben, interessieren sich auch für …“. Dabei verwendet der Algorithmus Daten über Ihre Einkaufsgewohnheiten.

Algorithmen können aber auch die Preise beim Online-Shopping bestimmen. Dabei wird entweder auf die Preisgestaltung der Konkurrenz reagiert oder die Preise auf den jeweiligen Nutzer angepasst. Verbraucherschützer fordern dabei aktuell mehr Transparenz von Online-Händlern.

Der Google-Algorithmus

Der Algorithmus der Suchmaschine Google bestimmt, welche Ergebnisse Ihnen in welcher Reihenfolge angezeigt werden. Hinzu kommt, dass unterschiedliche Nutzer jeweils andere Ergebnisse angezeigt bekommen, obwohl Sie den gleichen Begriff eingeben. Hier zeigt sich die weitrechende Macht der Algorithmen. Der Google-Algorithmus beeinflusst in dem Fall nämlich auch, welche Websites Sie besuchen und demnach auch, in welchen Online-Shops Sie eher einkaufen. Dies hat einen direkten Einfluss darauf, wie erfolgreich die jeweiligen Anbieter sein können.

Algorithmen in Sozialen Medien

Die Anzahl von Facebook-Nutzern beträgt in Deutschland aktuell 32 Millionen. Würde uns jede Aktualisierung aus unserer Freundesliste oder jeder Post eines Unternehmens angezeigt werden, müssten wir entsprechend viele Inhalte durchforsten. Um dieser Flut zu entgehen, filtert Facebook unseren Newsfeed und personalisiert ihn. Der Facebook-Algorithmus lernt durch unsere Nutzung, was uns interessiert und zeigt darauf basierend ähnliche Inhalte an. Was zu Beginn praktisch klingen mag, hat aber auch seine Schattenseiten.

Vor allem in Hinblick auf politische Meinungen und Nachrichten wird dieses Vorgehen häufig kritisiert. Nutzer würden sich in einer sogenannten „Filterblase“ bewegen, in der Sie sich in Ihren Ansichten immer nur bestätigt fühlen. Informationen, die der eigenen Meinung widersprechen, bekäme man erst gar nicht angezeigt.

Auch in anderen sozialen Netzwerken sind Algorithmen aktiv. So schlägt YouTube Nutzern vor allem viel geklickte Inhalte bevorzugt an, die oft vor allem radikal seien. Auch Instagram präsentiert Fotos nicht mehr chronologisch, sondern sortiert vorher aus. Diese Algorithmen werden jedoch stetig weiterentwickelt und verändert.

Was an Algorithmen kritisiert wird

Algorithmen sind nicht per se gut oder schlecht. Sie sind mittlerweile ein fester Teil der technischen Infrastruktur unserer digitalen Gesellschaft. Sie erleichtern, beschleunigen und ermöglichen erst viele Prozesse. Werden maschinenbasierte Entscheidungen gefällt, besteht aber auch die Gefahr von Diskriminierung.

Bestimmen Algorithmen aufgrund vorprogrammierter Faktoren, ob eine Person kreditwürdig ist oder einen Studienplatz bekommt, kann dies schließlich weitreichende Konsequenzen für den Einzelnen bedeuten. Daher sollten die Entscheidungsfaktoren transparent sein.

Zudem ist sich nicht jeder Nutzer bewusst, dass er in Sozialen Netzwerken oder in den Suchergebnissen von Google nur eine gefilterte Realität angezeigt bekommt. Um sich eine eigene Meinung zu bilden, sind jedoch umfassende Informationen nötig. Surfen Sie also öfters mal im privaten oder Inkognito-Modus, um weniger personalisierte und vorbestimmte Inhalte angezeigt zu bekommen und verlassen Sie sich nicht auf soziale Medien als Nachrichtenquelle.