Mal eben die neue Jeans bezahlt, den Dauerauftrag für die Miete angepasst und allgemein nochmal eben gecheckt, wie die Finanzen überhaupt so stehen. Online Banking gehört für die meisten von uns seit einigen Jahren zum Alltag dazu wie der morgendliche Kaffee. Aber hast du schon mal von „PSD2“ gehört? Am Samstag, den 13. Januar 2018, tritt die EU-Richtlinie in Kraft. Doch was bedeutet das für dich konkret?

Warum gibt es die Richtlinie?

„PSD2“ ist eine neue EU-Richtlinie, die vor allem eines zum Ziel hat: Sie will den europäischen Zahlungsverkehr sicherer, komfortabler und innovativer machen. Die „Payment Service Directive“ lockert die Verbindung zwischen unserem Zahlungsverkehr und den Banken und sorgt dafür, dass unsere Kontodaten und sämtliche Informationen über unsere Finanzen nicht mehr so stark an einzelne Geldhäuser geknüpft sind, Verbraucher also bankenunabhängiger werden.

Neben Änderungen beim Online-Banking dürfen Händler für bestimmte Zahlungsarten ab sofort keine Gebühren mehr verlangen. Mehr dazu erklärt unser Bankenexperte Daniel Feyler in diesem Video:

Was ändert sich für dich?

Drittanbieter können kontrolliert auf Daten zugreifen

Mit Inkrafttreten der Richtlinie wird es Drittanbietern wie zum Beispiel sogenannten Fintechs möglich sein, kontrolliert auf deine Daten zuzugreifen. Dies braucht dich allerdings nicht zu verunsichern: Damit ist natürlich nicht das unkontrollierte, maschinengesteuerte Auslesen deiner Daten gemeint. Vielmehr müssen Banken künftig mit Fintech-Unternehmen oder anderen Banken kooperieren. So können unter anderem nun Zahlungsauslösedienste wie z. B. SOFORT legal von deinem Konto aus Überweisungen tätigen. Durch den sicheren und direkten Zugang wird der Wettbewerb angekurbelt und somit der Preisdruck erhöht, zum Beispiel bei Finanzierungen, Krediten oder Versicherungen. Könnte bedeuten: Bessere Konditionen, niedrigere Zinsen.

Zusätzlich denkbar ist zum Beispiel, dass du deine digitalen Zahlungsaktivitäten künftig nicht immer über die jeweilige Bank laufen lassen musst, sondern du zum Beispiel über Multibanking Apps alle Konten auf einen Blick verwalten kannst, ungeachtet dessen, bei welchen Banken die Konten liegen.

Senkung der Haftungsgrenze bei Missbrauch

In Missbrauchsfällen musstest du als Verbraucher bislang für Schäden bis zu 150 Euro haften, solange du deine Karte oder deinen Online-Banking-Account nicht gesperrt hattest. Künftig sinkt diese Haftungsgrenze auf 50 Euro. Dies gilt für alle Zahlungen, die ohne Autorisierung des Verbrauchers, also ohne deine ausdrücklichen Zustimmung, getätigt wurden. Solltest du Unstimmigkeiten auf deiner Kontoübersicht entdeckt haben, teile dies deinem Kreditinstitut mit. Dieses ist im Falle von Missbrauch verpflichtet, dir den Betrag einen Tag später zu erstatten.

Auch alternative Zahlungsarten sind möglich

Durch die Lockerung des Wettbewerbs sind beim Online-Shopping künftig auch zusätzliche Zahlungsarten denkbar. Der Erfolg von dritten Zahlungsanbietern wie Paypal, SOFORT und Co. zeigt, dass viele beim Online-Shopping auf Zahlungsmöglichkeiten zurückgreifen, die unabhängig von der eigenen Hausbank existieren. Die Liberalisierung des Zahlungsmarktes, die mit der „PSD2“-Richtlinie einhergeht, könnte künftig weitere alternative Zahlungsarten zu Kreditkarte und Lastschrift denkbar werden lassen.

Online-Banking wird sicherer

Zur Sicherheit deiner Daten beim Online-Banking wird es im Zuge der Richtlinie noch eine weitere Änderung geben. Wir stellen dir diese vor, auch wenn sie erst zu einem späteren Zeitpunkt umgesetzt werden wird:

Aktuell meldest du dich bei Zahldiensten wie z. B. SOFORT mit deinen Kartendaten und Kontonummer oder deinem Nutzernamen und Kennwort an. Künftig wird ein weiteres Merkmal zur Identifikation notwendig. Zum Beispiel könnte dein Fingerabdruck oder eine SMS an dein Smartphone deine Sicherheit bei der Anmeldung erhöhen und dich eindeutig als rechtmäßiger Datennutzer identifizieren.

Wenn du dennoch Sorge hast, dass deine persönlichen Daten im Netz nicht sicher sind, kann dir ein digitaler Identitätsschutz, wie z. B. das Produkt Trusted Shops PLUS Identity, helfen. Der Identitätsschutz scannt das Internet sowie das Dark- & Deepweb konstant nach deinen persönlichen Daten und alarmiert dich, sobald etwas gefunden wurde. Du kannst dann entscheiden, was mit den Daten passieren soll und diese auf Wunsch löschen und sperren.

Verbot für Gebühren für bestimmte Zahlungsarten

Außerdem wird das Erheben von Gebühren für bestimmten Zahlungsarten verboten. Das bedeutet konkret, dass bei Bezahlung per Lastschrift oder Überweisung keine zusätzlichen Kosten anfallen dürfen. Auch bei Zahlung mit einigen Kreditkarten dürfen dann vom Händler keine Gebühren erhoben werden. Gute Nachrichten also für alle Shopper, oder? — Leider nicht unbedingt. Denn diese Gebühren, mit denen der Händler bisher seine Kosten beim Zahlungsdienstleister deckte, werden dann wohl auf den Kaufpreis oder die Versandkosten aufgeschlagen. Alternativ könnten manche Händler wohl sogar auf Zahlungsarten wie PayPal, Sofortüberweisung, Kreditkarte oder Giropay verzichten, wenn sie aktuell für Zahlungen über diese Dienstleister Gebühren verlangen.

Die wichtigsten Neuerungen auf einen Blick

  • Drittanbieter können kontrolliert auf deine Daten zugreifen
  • Verbot für die Erhebung von Gebühren für Überweisung, Lastschrift und Zahlung mit bestimmten Kreditkarten
  • Zusätzliche Identifikation beim Online-Banking via SMS oder Fingerabdruck (Zeitpunkt aktuell noch unklar)
  • Haftungsgrenze bei Missbrauch wird von 150 auf 50 € gesenkt
  • Alternative Zahlungsmethoden sind denkbar

Wofür nutzt du dein Online-Banking? Erzähl es uns!