Mobiles Bezahlen: Das sind die Vorteile und Risiken

Noch ist das Bezahlen mit dem Handy in Deutschland nicht weit verbreitet. In anderen Ländern ist das längst Gang und Gäbe. Wir erklären Ihnen alles Wesentliche zum mobilen Bezahlen.

Durch die Corona-Pandemie ist die Akzeptanz für das Bezahlen mit dem Handy auch in Deutschland gestiegen. Zuletzt gaben über 60% in einer Statista Umfrage anexternal, dass sie mittlerweile anders mit dem Thema umgehen als noch vor der Pandemie. Trotzdem gibt es in Deutschland auch immer noch viele Vorbehalte gegen das Bezahlen mit dem Handy: Vor allem, weil Menschen die Methode als nicht sicher erachten. Andere europäische Länder sind da schon weiter als Deutschland: In den Niederlanden beträgt dieser Anteil 51 %, in der Türkei sogar 65 % (Stand 2018). In diesem Artikel geben wir Ihnen einen Abriss zum Thema mobiles Bezahlen.

Wie funktioniert das mobile Bezahlen?

Damit Sie mit Ihrem Smartphone an der Kasse bezahlen können, benötigen Sie vier Dinge:

  • Ein Kassenterminal, das für kontaktloses Bezahlen eingerichtet Dies ist laut dem Handelsverband HDE bei nahezu 100 % der Kassen der Fall. Sie erkennen die Möglichkeit zum kontaktlosen Zahlen an diesem Symbol:

Ein Handy, das über einen NFC-Chip verfügt. NFC ist eine Funktechnik, die Daten nur über sehr kurze Distanzen – wenige Zentimeter – überträgt. Mehr zur Technik erfahren Sie im folgenden Video.

  • Eine Bezahl-App
  • Eines oder mehrere Zahlungsmittel, die Sie mit der Bezahl-App verknüpfen. Noch nicht alle Banken schalten ihre Zahlkarten für Apple Pay oder Google Pay frei.

Es gibt einige wenige Bezahl-Lösungen, die nicht mit NFC-Chip und Kontaktlos-Schnittstellen arbeiten, sondern mit einem QR-Code, der auf dem Display des Kassenterminals angezeigt und mit der Handy-Kamera erfasst wird.

Apps für das mobile Bezahlen: Ein Überblick

Die meisten Händler, alle führenden Smartphone-Hersteller und manche Banken versuchen, ihre eigene App im Markt zu etablieren. Hier die wichtigsten Kategorien, die Sie kennen sollten:

Lösungen der Smartphone-Hersteller

Apple Pay und Google Pay sind die bekanntesten Lösungen; beide sind seit 2018 in Deutschland auf dem Markt. Die Apps bieten neben der reinen Bezahlfunktion oft noch weitere nützliche Features, zum Beispiel das Integrieren von Kundenkarten.

Lösungen des Einzelhandels

Eigene Apps haben alle großen Ladenketten. Bei vielen von ihnen kann der Nutzer lediglich Informationen über das Angebot abrufen. Aber einige wenige, wie Edeka oder Rewe, erlauben auch das Bezahlen an der Kasse. Der Vorteil für diese Händler liegt in der Kunden-Identifizierung: Er erfährt, wann, wo, was und wie viel der Kunde in seiner Ladenkette einkauft – sofern der Kunde einwilligt. Der Nachteil: Kundenkarten anderer Ladenketten können Sie in diesen Apps natürlich nicht hinterlegen.

Payback

Payback Pay zählt zu den beliebtesten Bezahl-Apps Deutschlands. Wer mit Payback Pay zahlt, profitiert von den verschiedenen Prämien und Coupons welche die jeweiligen Händler anbieten. Im Gegensatz zu den Smartphone-Bezahllösungen funktioniert Payback nicht mit NFC, sondern via QR-Code.

Banken-Apps

Einige Banken bieten Smartphone-Apps mit Bezahlfunktionen an, zum Beispiel die Spar­kassen, die Volks- und Raiffeisenbanken und die Deutsche Bank. Selbstredend lassen sich diese Apps nur mit den bankeigenen Zahlungsmitteln verknüpfen, zum Beispiel mit dem Girokonto. Auf diese Weise behält der Nutzer die Kontrolle über seine Ausgaben und gerät nicht – wie bei Kreditkarten – in Versuchung, über seine finanziellen Verhältnisse hinaus Geld auszugeben.

Lohnt sich mobiles Bezahlen? Die Vorteile

Das Bezahlen mit dem Handy ist nicht nur – gleich wie die Karte – eine mögliche Alternative zu Bargeld, sondern kann auch anstelle von Kartenzahlungen eingesetzt werden. Nur: Lohnt sich das? Hier die wichtigsten Argumente:

  • Das Smartphone haben die meisten von uns immer dabei und schnell zu Hand.
  • Mobile Bezahllösungen lassen sich mit Rabatten, Gutscheinen, Treuepunkten und Ähnlichem kombinieren.
  • Die Zahlungen werden auf dem Handy protokolliert und sind leicht abrufbar („digitaler Kassenzettel“)
  • Mobile Bezahl-Apps können mehrere Zahlungsmittel verwalten. Der Nutzer kann wählen, ob der Betrag von der Kreditkarte, dem Girokonto oder einem anderen hinterlegten Zahlungsmittel abgebucht werden soll.

Wie sicher ist das Bezahlen mit dem Handy?

Mit dem Bezahlen per Smartphone sind verschiedene Ängste verbunden: Was, wenn mein Handy gestohlen wird? Sendet der NFC-Chip unkontrolliert Daten aus? Kann mich der Händler ausspähen? Erfährt jetzt Google / Apple alles über meine Einkäufe?

Diebstahl und Missbrauch

Wenn Sie mit dem Handy am Kassenterminal bezahlen, überträgt das Gerät nur einen Einmalcode, der keine Rückschlüsse auf Ihre Person oder Ihre Zahlungsmittel zulässt. Damit ist das Bezahlen mit dem Handy sicherer als mit der Kreditkarte: Auf dieser kann der Händler die Kreditkartennummer und Ihren Namen ablesen, wenn er sie in die Hand nimmt. Ebenso unsicher ist der Magnetstreifen der Karte – dieser enthält die Kreditkartendaten praktisch unverschlüsselt.

Der NFC-Chip ist schwierig auszuspähen. Er überträgt Daten nur auf einer Distanz von wenigen Zentimetern und auch nur dann, wenn das Handy entsperrt ist. Es ist leichter, ein Handy zu stehlen, als den NFC-Chip heimlich auszulesen.

Wenn ein Dieb Ihr Smartphone stiehlt, kann er damit Zahlungen tätigen, sofern es ihm gelingt, die von Ihnen eingerichtete Gerätesperre (Fingerabdruck, Gesichtserkennung, PIN) zu überwinden. Allerdings verlangen die meisten Bezahlterminals, dass Sie den PIN Ihrer Zahlkarte eingeben, wenn der Betrag höher als 25 Euro ist. In dieser Hinsicht unterscheidet sich das mobile Bezahlen nicht von der Kartenzahlung.

Wenn Sie als Zahlungsmittel eine Kreditkarte hinterlegt haben, haftet in erster Linie die Bank für die missbräuchliche Benutzung der Karte (die Haftungsobergrenze des Benutzers liegt bei maximal 150 Euro).

Datenschutz: Das Kleingedruckte lesen!

Alle Bezahl-Apps sind dafür eingerichtet, Daten über Ihre Einkäufe zu sammeln, die für Marktforschungs- und Marketingzwecke verwendet werden können. Google beispielsweise nutzt die Daten, um innerhalb des Konzerns Informationen über die Kreditwürdigkeit eines Nutzers auszutauschen und zielgerichtete Werbung für Google-Produkte zu schalten.

Selbstverständlich können Sie diese Datennutzung unterbinden. Denn generell gilt: Unter der heutigen Gesetzgebung darf kein Handy-Hersteller, kein App-Entwickler und keine Bank Profildaten über Sie auswerten, wenn Sie dies nicht erlauben. Dazu müssen Sie jedoch die Datenschutzerklärung des App-Entwicklers lesen und herausfinden, wo Sie die Einstellungen zum Datenschutz anpassen können. Erste Anlaufstelle dafür ist der Menüpunkt „Info“ bzw. „Hilfe“ in der Bezahl-App.

Fazit

Das mobile Bezahlen bietet verschiedene spannende Vorteile und ist leicht einzurichten. Es funktioniert ähnlich wie das kontaktlose Bezahlen mit einer Kreditkarte / Debitkarte und ist zumindest aktuell nahezu gleich sicher. Die meisten Kassenterminals und Smartphones sind heute für das Bezahlen mit dem Handy eingerichtet, so dass Sie bereits morgen damit loslegen könnten.

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Kommentare

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Ehrhardt
08.03.2022

Ich bezahle nicht mit dem Handy. Ich mache auch keinen Gebrauch vom Handy
mit meinem Geldinstitut.

"Schützt das Bargeld, denn Ihr wißt nicht was noch kommt"
Geldwäsche? Ich denke es laufen nicht so viele Leute mit tausenden von Euro
in bar durch die Stadt. Es wird auch ohne Bargeld Geldwäsche geben.

skorpi55
20.01.2022

Gute Informationen, gut und einfach erklärt .

Peter
20.01.2022

Die technischen Zusammenhänge sind sehr gut erläutert. Überraschend war für mich, dass das Bezahlen per Mobiltelefon in einigen Punkten sogar sicherer ist als die Bezahlung per Kreditkarte.
Nachteilig find ich, dass der Kunde immer stärker durchschaubau wird....
Nun ja, werde ich mal ausprobieren....

juergesch@t-online.de
18.01.2022

Gute Informationen.

Daniela von Trusted Shops
20.01.2022

Vielen Dank für die Blumen!

Doris
18.01.2022

" nur Bares ist Wahres"
Es ist bequem mit Karte zu zahlen. Von der Hygiene her, ist die Belastung von Bakterien, Viren und Keimen gleich.
Aber, für viele ältere Menschen ist diese Zahlung schwierig, da sie den Überblick verlieren und meistens Hilfestellung brauchen. Was machen die, die keine Vertrauensperson/Familie haben ? (noch hilfloser!)
Kleinkinder lernen über Sehen , Fühlen, Riechen, (Schmecken) und Hören, wenn zum Beispiel das Geldstück in die Spardose fällt, das geht nicht mit Karte, es ist für Kleinkinder nicht nachvollziehbar. Was ist mit kleinen Gefälligkeiten ?
Jede Transaktion, jeder Einkauf ist nachvollziehbar. Einerseits gut, anderseits, auch der Staat hat genauen Überblick( s. China) Geldwäsche verhindern kann man auch durch digitalen Verkehr nicht. Kriminelle sind sehr erfinderisch.

Heinz
17.01.2022

Profitieren tun nur die Banken, Google und Ko. Der Kunde bezahlt immer mehr für den Service . Und wehr denkt, dass es sicher ist der träumt. Das haben doch die Jüngsten Nachrichten über Datenklau und Behördenerpressungen oder großer und kleiner Firmen gezeigt. IT-Sicherheit????
Nein danke

Karl Simon
17.01.2022

Scheint mir noch NICHT ausgereift!

Joachim Sturm
17.01.2022

Interessant

Daniela von Trusted Shops
20.01.2022

Danke für Ihren Kommentar!

Volk
17.01.2022

Habe es noch nie probiert, bin mir nicht sicher, ob das etwas für mich ist. Bin eine glühende Bargeld Besitzerin. Ich habe dadurch einfach einen besseren Überblick über meine Ausgaben.
Seit Beginn der Pandemie, zahle ich auch öfters mit Karte.

Daniela von Trusted Shops
20.01.2022

Hallo Volk, da geht es Ihnen ja wie vielen Deutschen. Die Akzeptanz ist durch die Pandemie auf jeden Fall gestiegen. Gruß, Daniela vom Trusted Shops Team

Peligeli1
02.09.2020

Erst 2x ausprobiert. Das erste Mal hat völlig problemlos funktioniert und das zweite bezahlen klappte gar nicht und mußte abgebrochen werden. War skeptisch und nicht überzeugt. Außerdem hab ich gerne Bargeld in der Hand 😉Mal schauen wie es sich entwickelt.

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