17. April 2007

Trusted Shops Studie: Abmahnungen und wirtschaftlichen Folgen

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Ursprünglich haben Abmahnungen den Zweck, Wettbewerbsgleichheit herzustellen. Aber viele Onlinehändler leiden unter einem Missbrauch dieses legitimen Instruments: Vermeintliche Mitbewerber und unseriöse Vereine versuchen zunehmend, durch massenhafte Abmahnungen aus geringsten Anlässen Profit zu schlagen. Trusted Shops hat die Situation durch eine Umfrage untersucht und die Erfahrungen von 679 Shopbetreibern zum Thema ausgewertet.

Ziel der ersten systematischen Umfrage zum Thema Abmahnungen unter Shopbetreibern war die Beantwortung wichtiger Fragen rund um das Thema Abmahnung. Viele der Teilnehmer stehen auch für Gespräche mit der Presse zur Verfügung.

Trusted Shops befragte im Zeitraum vom 1. Januar bis 1. Februar 2007 Shopbetreiber zu ihren Erfahrungen mit Abmahnungen. Von 686 Teilnehmern waren die Antworten von 679 Online-Shops verwertbar, d.h. stammten von Händlern, deren Identität überprüft wurde und die tatsächlich einen Internethandel betreiben. Dabei gab es strukturierte Auswahlfelder und freie Kommentarfelder. Die Befragung erfolgte online im shopbetreiber-blog.de, das durch die Trusted Shops GmbH betrieben wird.

Hier die Kernthesen der Studie im Überblick:

These1: Abmahnungen gehören zum Alltag

Für die meisten Shopbetreiber gehören Abmahnungen zum ganz normalen Alltag. Der Durchschnittswert liegt bei insgesamt 2,1 Abmahnungen pro Shop. Auch wer noch nicht abgemahnt wurde, muss laufend damit rechnen, abgemahnt zu werden.

These 2: Missbrauch schadet dem Ruf des Abmahnwesens

Fast die Hälfte aller Befragten hält die erhaltenen Abmahnungen nach eigenem Empfinden für unberechtigt. Neben der undurchsichtigen Rechtslage wird vor allem kritisiert, dass die Anwaltsgebühren viel zu hoch sind, auch Bagatellen abgemahnt werden können und Abmahnungsmissbrauch vielfach ungestraft möglich ist. Dadurch leidet der Ruf des an sich legitimen Instruments der Abmahnung insgesamt.

These 3: Rechtliche Grauzonen werden ausgenutzt

Neben klaren Rechtsverstößen werden zu einem erheblichen Anteil auch solche Verstöße abgemahnt, die höchst-richterlich ungeklärt sind oder auf Fehlern des amtlichen Widerrufsmusters beruhen.

These 4: Abmahnungen bedrohen Existenzen

Die Hälfte der Befragten hatte einen Schaden von über 1.500 €. In Einzelfällen kamen mehrere Zehntausend Euro zusammen. 40 Prozent der Unternehmer, insbesondere KMU, sehen sich durch Abmahnungen in ihrer Existenz bedroht. Auch wer sich im Recht wähnt, verteidigt sich wegen des unkalkulierbaren Prozesskostenrisikos häufig nicht.

These 5: Anwälte verlangen oft zu hohe Gebühren

In 22% der Fälle haben die abmahnenden Anwälte auf einen Teil Ihrer ursprünglich verlangten Gebühren schon außergerichtlich auf Verlangen des Abgemahnten verzichtet. In 5% der Fälle haben die Gerichte diese Kosten gekürzt.

These 6: Widerstand zahlt sich aus

In nur 13% der Fälle war Widerstand gegen eine Abmahnung erfolglos. In 19% der Fälle wurde die Abmahnung schon ohne Gerichtsprozess zurückgezogen, und in 22% der Fälle wurde eine Kostenreduzierung ohne gerichtliche Hilfe erreicht. Häufig wird nach erhaltener Abmahnung selbst eine Abmahnung als „strategisches Verteidigungsmittel” eingesetzt (sog. Gegenabmahnung).

These 7: Massenabmahnungen durch wenige Marktteilnehmer

Ein kleiner Teil der Marktteilnehmer ist für einen großen Teil der Abmahnungen verantwortlich. Die ersten drei Abmahner sprachen allein rund 39% aller Abmahnungen aus. Nicht immer erfolgten die Abmahnungen berechtigt: Gegen den zweithäufigsten Abmahner läuft mittlerweile ein Strafverfahren wegen Betruges. Andere Vielfach-Abmahner sahen sich zumindest einer sehr kritischen Presseberichterstattung ausgesetzt.

Die vollständinge Studie können Sie kostenlos als 20-seitiges PDF-Dokument herunterladen.

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