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Sicherheitssoft­ware: Praxis-Check 2026

Im Zentrum ein durchgestrichenes Virussymbol (von einem Käfer symbolisiert), umgeben von leuchtenden orangefarbenen Linien und Kreisen auf dunklem Hintergrund

Antivirenprogramme suggerieren Sicherheit im Netz. Ob dem wirklich so ist, steht auf einem anderen Blatt. Das BSI warnt regelmäßig vor Schwachstellen in Sicherheitssoftware, also in genau jenen Programmen, die eigentlich schützen sollen. Wie viel Schutz Bitdefender, ESET und Co. beim Online-Shopping tatsächlich bieten, wo ihre Grenzen liegen und wann ein gutes Programm überzeugt, zeigt unser Praxis-Check 2026:

Das Wichtigste in Kürze

  • Gute Sicherheitssoftware schützt vor Viren, Phishing, Datenklau und manipulierten Webseiten. Und ist damit weit mehr als ein Antivirenprogramm!
  • Wichtig für Online-Shopper: Echtzeit-Webschutz, Betrugsfilter und der Schutz von Konto- und Zahlungsdaten.
  • Betriebssysteme wie Windows beinhalten einen Basisschutz. In den meisten Fällen ist zusätzliche Software sinnvoll.
  • Bei der Wahl des Programms kommt es unter anderem auf die Häufigkeit der Updates und die Datenschutzstandards des Anbieters an.
  • Wichtig: Kritisches Urteilsvermögen beim Surfen und Online-Shopping wird auch durch die beste Software nicht ersetzt.

Mehr als nur Virenscanner

Der Begriff “Antivirenprogramm" ist längst überholt. Moderne Sicherheitssoftware schützt vor Fake-Seiten, Phishing-Mails mit falschen Zahlungsaufforderungen und Virenprogrammen, die sich beim Surfen unbemerkt im Hintergrund selbst installieren. Sie beinhaltet in der Regel die folgenden Funktionen:

1. Echtzeit-Bedrohungserkennung
Die Software prüft Dateien, Downloads und laufende Programme in Echtzeit. Verdächtige Aktivitäten werden blockiert.

2. Web- und Phishing-Schutz
Beim Aufrufen einer Webseite prüft das Programm, ob diese als betrügerisch bekannt ist oder Merkmale einer Fake-Seite aufweist. Sehr wichtig, wenn es um die Eingabe von Zahlungsdaten geht.

3. Schutz sensibler Transaktionen
Einige Softwareanbieter stellen abgeschottete Browser-Umgebungen für Online-Banking und Zahlungen bereit. Keylogger oder versteckte Skripte sollen so keine Konto- oder Kartendaten abfangen können.

4. Ransomware-Schutz
Erkennt ungewöhnliche Dateiverschlüsselungen und verhindert, dass persönliche Dateien zugänglich und missbraucht werden.

5. Zusatzfunktionen
VPN-Dienste, Passwort-Manager oder Identitätsüberwachung sind in vielen Paketen integriert, allerdings nicht immer in vollem Umfang oder dauerhaft kostenfrei.

Sicherheitsprogramme und ihre Grenzen

Sicherheitsprogramme benötigen umfangreiche Systemrechte. Das ist für ihre Funktion notwendig, birgt aber Risiken. Enthält die Software selbst eine Sicherheitslücke, können Angreifer genau diese Rechte ausnutzen. Das ist kein theoretisches Szenario: Das BSI warnte vor ein paar Jahren vor einer Schwachstelle in Bitdefender-Produkten. Diese ermöglichte es potenziellen Angreifern, den Schutz des Programms teilweise zu umgehen (Quelle: BSI-Warnmeldung TW-T20-0171).

Eine Sicherheitssoftware ist kein unfehlbarer Schutzschild. Sie muss regelmäßig aktualisiert und kontinuierlich verbessert werden, genauso wie das Betriebssystem selbst. Und sie kann nicht verhindern, dass jemand auf einer nicht erkannten Fake-Seite freiwillig seine Zugangsdaten eingibt.

Niemand sollte sich ausschließlich auf eine Software verlassen, und sei sie noch so gut.

Mehr über Fake-Seiten und wie man diese erkennt

Wann lohnt sich zusätzlicher Schutz?

Sicherheitssoftware über den Basisschutz des Betriebssystems hinaus ist sinnvoll, wenn:

  • regelmäßig online eingekauft wird,
  • mehrere Geräte im Haushalt genutzt werden,
  • öffentliches WLAN genutzt wird,
  • Zahlungs- oder Kundendaten weitergegeben werden.

Wer selten online einkauft und grundsätzlich vorsichtig surft, braucht nicht zwingend eine kostenpflichtige Zusatzlösung. Allerdings ist “vorsichtig surfen" leichter gesagt als getan: Gefälschte Shops oder Phishing-Seiten sind heute kaum noch vom Original zu unterscheiden. Eine Software, die solche Seiten automatisch erkennt und blockiert, übernimmt eine Aufgabe, die selbst erfahrene Nutzer nicht zuverlässig leisten können.

Mehr Infos zur Zahlung im Netz: Sicher zahlen: nur auf Rechnung?

Diese 5 Programme schneiden im Test sehr gut ab

Wer nicht selbst jedes Produkt vergleichen möchte, kann sich an den Bewertungen unabhängiger Testinstitute orientieren. AV-Comparatives und AV-TEST prüfen Sicherheitssoftware regelmäßig nach zwei zentralen Kriterien: Wie viele Bedrohungen erkennt das Programm zuverlässig – und wie oft schlägt es fälschlicherweise Alarm? In den aktuellen Tests aus 2025 schnitten folgende Produkte sehr gut ab:

  • Bitdefender
  • ESET
  • Norton
  • G Data
  • Microsoft Defender

Wichtig dabei: Gut getestet bedeutet eine hohe Erkennungsrate bei gleichzeitig geringer Fehlalarmquote und ist nicht gleichzusetzen mit “unangreifbar". Kein Programm erkennt jede Bedrohung zu 100 Prozent.

Worauf es bei der Wahl ankommt

Der Markenname allein sagt wenig. Entscheidender ist: Stellt der Anbieter regelmäßig Updates bereit? Kommuniziert er offen, welche Nutzerdaten er erhebt und wofür?

Beim Funktionsumfang lohnt es sich, genau hinzusehen: Viele Premium-Pakete bündeln VPN, Passwort-Manager und Identitätsschutz. Das klingt nach mehr Sicherheit, bedeutet aber auch mehr Komplexität und teils spürbare Systemlast (Seiten können langsamer laden). Wer viel online einkauft, ist mit einem einfachen Web- und Echtzeit-Schutz meist besser bedient als mit einem aufgeblähten Paket, das er zu 80 Prozent nicht nutzt.

Zu den Kosten: Sicherheitssoftware ist meist als Jahresabo erhältlich. Orientierungswerte:

  • Basisversionen: ab ca. 20 bis 30 Euro pro Jahr
  • Premium-Pakete: 40 bis 80 Euro pro Jahr, je nach Geräteanzahl und Leistungsumfang
  • Kostenlose Versionen bieten häufig nur eingeschränkten Schutz und sind oft werbefinanziert, was eine Frage nach dem Datenschutz aufwirft.

Zusammengefasst: Technik allein schützt nicht

Sicherheitssoftware ist kein Schutzschild, das man einmal installieren und dann vergessen sollte. Sie reduziert Risiken wie Phishing-Seiten, Virenprogramme und abgefangene Zahlungsdaten. Wer regelmäßig online einkauft oder viel im Netz surft, fährt mit einem zusätzlichen Schutz besser.

Aber: Eine Software erkennt nur, was sie kennt. Neue Betrugsmaschen, unbekannte Schadprogramme oder eine täuschend echte Fake-Seite, die in noch keiner Datenbank steht – all das kann auch das beste Programm nicht zuverlässig abfangen. Wer eine verdächtige Mail öffnet, blind auf einen Link klickt oder seine Zahlungsdaten auf einer nicht verifizierten Seite eingibt, ist auch mit installierter Sicherheitssoftware gefährdet. Es kommt daher auf die richtige Mischung aus aktueller Software und wachem Blick beim Surfen an.

 

23.02.26