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Faktencheck: Ist günstig gleich schlecht?

Man sieht eine Küche mit Toaster, Kaffeetasse und einer brennenden Steckdosenleiste

Das Wichtigste in Kürze

Ein Kleid für acht Euro. Ein Ladegerät für drei Euro. Schmuck, Spielzeug, Kosmetik, Haushaltshelfer werden preisgünstig präsentiert und sind nur einen Klick weit entfernt. Plattformen wie Temu, Shein, AliExpress haben das Online-Shopping verändert. Im Vordergrund stehen niedrige Preise, Rabatte und Kaufanreize und eine riesige Produktauswahl.

Viele Produkte sind günstig, weil sie ohne Zwischenhandel verkauft werden. Das Unternehmen produziert selbst oder kauft in großer Stückzahl. Gleichzeitig bestehen Risiken im Hinblick auf Produktsicherheit, Qualität, Rückgabe und Kundenservice.

Ist günstig dann automatisch schlecht? Mehr hierzu im Faktencheck:

 

Faktencheck 1: Warum sind die Preise bei Temu, Shein & Co. so niedrig?

Viele Produkte werden direkt über Plattformen angeboten. Teure Ladenflächen und Personal im stationären Handel fallen weg. Sendungen kommen vielfach aus Drittstaaten, häufig aus China. Die Produktion ist günstiger.

Zollregeln wirken sich auf den Preis aus. Lange war der Bereich unter 150 Euro attraktiv, weil für solche Sendungen in der EU zwar Einfuhrumsatzsteuer anfällt, aber kein regulärer Zoll. Diese Grenze verschiebt sich aufgrund neuer Regelungen.

Weitere Gründe: Rabatte, Countdown-Hinweise, Gutscheine, App-Boni und Empfehlungen beschleunigen den Kauf. Der einzelne Artikel wirkt noch günstiger, als er im direkten Vergleich tatsächlich ist.

Sehr niedrige Preise sind oft die Folge von Direktvertrieb, großen Produktionsmengen, niedrigen Handels- und Produktionskosten und offensiver Verkaufssteuerung.

 

Faktencheck 2: Ist günstige Ware schlechte Ware?

Ein günstiger Artikel kann seinen Zweck erfüllen. Eine einfache Aufbewahrungsbox oder ein Dekoartikel müssen nicht zwingend hochwertig sein.

Problematisch wird es bei Produkten, bei denen es auf Sicherheit und Gesundheitsschutz ankommt, wie beispielsweise Ladegeräte, Akkus, Lampen, Spielzeug, Babyprodukte, Kosmetik, Sonnencreme, Schmuck, Textilien mit Hautkontakt oder Produkte für Haustiere. Hier spielen Schadstoffe, Brandgefahr, Hautverträglichkeit oder elektrische Sicherheit eine bedeutende Rolle.

Ob Sicherheitsanforderungen erfüllt werden, lässt sich für Verbraucherinnen und Verbraucher oft schwer prüfen.

 

Faktencheck 3: Was ist mit der Qualität?

Bei Kleidung sind Material, Nähte, Passform, Farbechtheit und Haltbarkeit Qualitätskriterien. Bei Elektronik sichere Bauteile, richtige Kennzeichnung, Überhitzungsschutz und Belastbarkeit. Bei Kosmetika geht es um Inhaltsstoffe, Deklaration und Verträglichkeit.

Produktbeschreibungen sind begrenzt aussagekräftig. Stoffe können dünner sein, Größen anders ausfallen, Farben abweichen oder Materialien billiger wirken als erwartet. Das ist ärgerlich, wenn auch nicht immer gefährlich.

Anders sieht es aus, wenn Sicherheitsstandards verletzt werden. Behörden melden immer wieder Probleme mit Produkten diverser Online-Marktplätze. Insbesondere bei Spielzeug, Elektronik, Kosmetik oder Schmuck.

Die Qualität ist bei sehr günstigen Plattformprodukten oft stark schwankend.

 

Faktencheck 4: Wie aussagekräftig sind Bewertungen und Produktangaben?

Produktbilder sind in der Regel bearbeitet, gezeigt werden häufig Symbolbilder und nicht die eigentliche Ware.

Ungeprüfte Bewertungen: Sehr viele Fünf-Sterne-Bewertungen, kurze Standardformulierungen, immer gleiche Satzmuster oder Beschreibungen ohne konkrete Produktdetails können auf Fakebewertungen hinweisen. Hilfreicher sind Rezensionen mit echten Fotos, Angaben zur Nutzung und Kritikpunkten. Manchmal beziehen sich die Bewertungen auf Varianten, frühere Chargen oder ähnliche Produkte.

Bilder und nicht validierte Bewertungen sind wenig aussagekräftig. Wichtiger sind konkrete Angaben zu Material, Größe, Inhaltsstoffen, Hersteller, Warnhinweisen und Rückgabebedingungen.

 

Faktencheck 5: Wie sieht es aus mit der Produktsicherheit?

Das Risiko hängt von der Produktgruppe ab. Bei einer einfachen Geschenkbox ist es geringer als bei einem Babyspielzeug.

Beispiele: Ein unsicheres Ladegerät kann überhitzen und einen Brandauslösen. Ein Spielzeug mit Kleinteilen kann für kleine Kinder gefährlich werden. Kosmetik mit problematischen Inhaltsstoffen kann Haut oder Schleimhäute reizen. Schmuck kann bedenkliche Metalle enthalten. Kleidung kann Verschlüsse oder chemische Rückstände enthalten, die nicht den Anforderungen entsprechen.

Die EU hat ihre Produktsicherheitsregeln verschärft. Seit Dezember 2024 ist die neue europäische Produktsicherheitsverordnung in Kraft. Plattformen müssen mit Behörden kooperieren und kritische Produkte schneller entfernen.

Trotz neuer EU-Regeln bleibt häufig unklar, wer für Sicherheit, Kennzeichnung, Rückruf und Reklamation verantwortlich ist.

 

Faktencheck 6: Was gilt bei Rückgabe und Erstattung?

Auch wenn kostenlose Rücksendungen für bestimmte Bestellungen oder innerhalb bestimmter Fristen angeboten werden, gestaltet sich die Praxis oft komplizierter. Rücksendungen können lange dauern, Nachweise erfordern oder nur unter bestimmten Bedingungen kostenfrei sein. Bei sehr günstigen Produkten lohnt sich eine Rücksendung wirtschaftlich meist nicht.

Vor dem Kauf prüfen: Wer ist Verkäufer? Wohin geht die Retoure? Wer zahlt die Rücksendung? Wie lange dauert die Erstattung? Gibt es eine Kontaktmöglichkeit?

 

Faktencheck 7: Können später noch Kosten dazukommen?

Für Bestellungen aus Nicht-EU-Ländern können Einfuhrumsatzsteuer, Zollfragen oder Bearbeitungsgebühren anfallen. Du solltest bei sehr günstigen Angeboten genauer hinsehen und auch das “Kleingedruckte” lesen.

Es können Kosten hinzukommen. Insbesondere bei Bestellungen aus Drittstaaten lohnt der Blick auf Versand, Steuern, Gebühren und Rücksendekosten.

 

Faktencheck 8: Was ändern neue EU-Regeln?

Der Digital Services Act. Große Plattformen müssen Risiken besser bewerten. Dazu gehören manipulative Designs, Transparenz bei Werbung, Rankings und Verkäuferinformationen.

Die neue Produktsicherheitsverordnung. Online-Marktplätze müssen stärker als bisher mit Behörden zusammenarbeiten, potenziell gefährliche Produkte entfernen und Meldewege einhalten.

Außerdem arbeitet die EU an strengeren Zoll- und Importregeln für Kleinsendungen. Die Masse günstiger Pakete soll künftig besser kontrolliert werden. Für Händlerinnen und Händler, die sich bereits an europäische Vorgaben halten, werden attraktivere Bedingungen angestrebt.

Auch wenn die Regelungen nach und nach strenger werden, sollten Verbraucherinnen und Verbraucher weiterhin aufmerksam prüfen, was sie kaufen.

 

Faktencheck 9: Wann kann sich ein Kauf bei Temu, Shein & Co. lohnen?

Wenn das Produkt einfach und leicht zu beurteilen ist, dann ist das Risiko überschaubar. Beispiele sind Dekoartikel, einfache Aufbewahrungsprodukte, Bastelmaterial, Accessoires.

Je einfacher und ungefährlicher das Produkt, desto eher kann sich ein günstiger Kauf lohnen.

 

Faktencheck 10: Was solltest du vor dem Kauf prüfen?

Ist klar, wer das Produkt verkauft? Gibt es eine vollständige Produktbeschreibung? Sind Material, Maße, Inhaltsstoffe oder technische Angaben nachvollziehbar? Gibt es Warnhinweise, Modellnummern oder Herstellerangaben? Wirken Bilder und Bewertungen glaubwürdig? Sind Rückgabe, Erstattung und Kundenservice verständlich erklärt?

Bei Elektronik sollte auf lückenlose und realistische technische Angaben geachtet werden. Bei Kosmetik und Sonnenprodukten sind Inhaltsstoffe, Haltbarkeit und Herkunft wichtig. Bei Spielzeug zählen Altersangaben, Kleinteile, Material und Sicherheitsinformationen. Bei Kleidung lohnt ein Blick auf Material, Bewertungen mit Fotos und die Größentabelle.

02.07.26