Deepfakes: Promis in gefälschter Werbung
KI-generierte Videos wirken echt und glaubwürdig. Was Deepfake-Werbung für Online-Shopper bedeutet und wie sich Risiken erkennen lassen.
Gefälschte Promi-Werbung ist längst kein Einzelfall mehr. Mit KI lassen sich täuschend echte Videos, Audios und Bilder generieren und bekannte Personen zu unfreiwilligen Markenbotschafter*innen machen. Denn zugestimmt haben diese der Werbeaktion nicht. Es handelt sich um sogenannte Deepfakes mit dem konkreten Ziel, Vertrauen auf Verbraucherseite aufzubauen und potenzielle Käuferinnen und Käufer in fragwürdige Online-Shops oder zu unseriösen Angeboten zu locken.
Das Thema ist brandaktuell, denn Behörden und Verbraucherschützer warnen aktuell verstärkt vor dieser Methode. Im Besonderen zu gefälschter Promi-Werbung für Gesundheitsprodukte und Finanzangebote.
Deepfakes sind digitale Fälschungen, bei denen Gesichter und Stimmen mithilfe künstlicher Intelligenz (KI) so realitätsnah imitiert werden, dass sie praktisch nicht von echten Aufnahmen zu unterscheiden sind. Diese Technik ist sehr ausgereift und einer breiten Öffentlichkeit zugängig. Im Grunde kann heute fast jeder mit kostenfreien KI-Tools solche Medien kreieren – und dies innerhalb weniger Minuten.
Was Deepfake-Werbung so gefährlich macht: Die gefälschten Videos vermitteln Empfehlungen und schaffen Vertrauen. Sie manipulieren und beeinflussen direkt den Kaufprozess. Die Technik selbst ist nicht illegal. Problematisch wird es, wenn Nutzerinnen und Nutzer gezielt getäuscht werden.
Das kurzweilige Reel auf einer Social-Media-Plattform zeigt eine bekannte Persönlichkeit. Diese spricht direkt in die Kamera, präsentiert ein “interessantes” Produkt, erzählt begeistert über eigene Erfahrungen und wirkt rundherum glaubwürdig. Stimme, Aussehen, alles passt. Ein Link im Video führt dann zu einem Online-Shop mit scheinbar attraktiven Angeboten.
Was in diesem Beispiel weder auf den ersten, noch auf den zweiten oder dritten Blick erkennbar ist: Die Person ist nicht echt, es handelt sich um einen per KI erzeugten Avatar. Stimme, Mimik, Gesicht und sogar die charakteristische Gestik lassen sich innerhalb kurzer Zeit mit den entsprechenden Tools generieren.
Shopper von heute entscheiden sich schnell. Ein bekanntes Gesicht wirkt vertraut, die Echtheit der Aussagen wird selten hinterfragt. Werbevideos enthalten oft limitierte Angebote (“geringe Stückzahl”, “nur heute”). Der Schritt vom Medienkonsum auf Social Media hin zum eigentlichen Kauf ist kürzer als je zuvor. Ein Klick auf den eingeblendeten Link reicht aus, um direkt im Shop zu landen, ohne dass der Inhalt noch einmal kritisch geprüft wird. In der Kombination aus vertraut wirkendem Testimonial, positivem Erfahrungsbericht, attraktiven Versprechen und direktem Kaufaufruf entsteht so eine besonders wirkungsstarke Mischung.
Mitunter zeigen Deepfakes typische Unstimmigkeiten: So können etwa die Lippenbewegungen unnatürlich wirken oder Bild und Ton leicht asynchron sein. Häufig erscheint die Haut der dargestellten Person auffällig glatt, teilweise sind Körperkonturen unscharf oder leicht “verwaschen”. Dazu kommen gelegentlich ungewöhnliche Formulierungen oder Wendungen, die an die typische Sprache von KI-Tools (wie ChatGPT und ähnliche Systeme) erinnern. In Erfahrungsberichten fehlen oft konkrete Informationen zu den Produkten oder deren Nutzung im Alltag, stattdessen wird auf bislang unbekannte Shops verwiesen und direkt dorthin verlinkt.
All dies können Hinweise auf Deepfakes sein, ein Beweis oder Ausschlusskriterium sind diese Merkmale nicht. Denn im Gegensatz zu noch vor ein oder zwei Jahren können KI-generierte Fälschungen heute täuschend echt wirken.
Die Situation ist ähnlich wie beim gefälschten Video: Auch betrügerische Shops wirken auf den ersten Blick oft seriös. Das Design ist modern, die Produktbilder professionell und selbst Bewertungen können echt wirken. Auch Fake-Shops haben häufig ein Impressum, Kontaktangaben und ausführliche Beschreibungen – vieles davon ist jedoch gefälscht oder kopiert, um Vertrauen zu schaffen.
Hinweise, auf die du immer achten solltest:
Treffen mehrere dieser Punkte zu, solltest du den Shop besonders kritisch prüfen.
Mehr zur Erkennung von Fake-Shops in unserem Beitrag Fake-Shops erkennen: Was kann die KI?
Käufe unter Zeitdruck sollten vermieden werden, ebenso das Aufrufen eines Shops direkt über den Link in einem unbekannten Video (Vorsicht vor gefälschten URLs). Es ist immer sinnvoll, Anbieterangaben und Zahlungsbedingungen kritisch zu prüfen. Diese ersten Schritte helfen, Risiken zu reduzieren – einen vollständigen Schutz bieten sie nicht. Wir empfehlen, unabhängige Prüf- und Schutzsysteme zu nutzen.
Trusted Shops stellt eine kostenfreie Browser-Erweiterung zur Verfügung, die bereits in den Suchergebnissen anzeigt, ob ein Shop geprüft und zertifiziert und damit vertrauenswürdig ist. Bereits auffällig gewordene Fake-Shops werden entsprechend gekennzeichnet.
Zertifizierte Shops durchlaufen regelmäßig eine umfassende Prüfung. Kommt es dennoch zu Problemen, greift bei Einkäufen in Shops mit Gütesiegel der Käuferschutz, zum Beispiel wenn eine Bestellung nicht geliefert wird, eine Erstattung ausbleibt oder ein Paket verloren geht.
21.05.26
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