Warenkorb-Cookies: Wenn Sie beim Surfen von angeklickten Produkten verfolgt werden

Kaum besuchen Sie eine Webseite, lösen einen Warenkorb aus, schon poppt er am unteren Bildschirmrand auf: der Cookie-Hinweis. Doch wie verhält es sich, wenn Sie die Einwilligung zur Cookie-Nutzung geben? Welchen Sinn und Zweck Cookies haben, erfahren Sie in unserem Cookie-Ratgeber.

© Viktar Dzindzikav/shutterstock.com

Auf der Suche nach einer neuen Kaffeemaschine oder einem Fernseher vergleichen Sie die Angebote der Online-Shops. Einige Ger√§te nehmen Sie in die engere Auswahl oder legen Sie direkt in den Warenkorb. Dennoch beenden Sie die Suche an diesem Punkt und schlie√üen das Browserfenster. Die √úberraschung folgt am n√§chsten Tag. Sie starten einen zweiten Anlauf und surfen den gleichen Shop an. Prompt werden Ihnen die am Vortag begutachteten Modelle angezeigt. Doch damit nicht genug. Denn auch auf anderen Webseiten taucht Werbung zu den Produkten auf, f√ľr die Sie sich interessiert haben. Verantwortlich f√ľr diese ‚ÄěObservierung‚ÄĚ Ihres Suchverhaltens sind sogenannte Cookies.

Was sind Werbe- und Warenkorb-Cookies und wozu sind sie in der Lage?

Anders, als Sie vermuten, handelt es sich bei Cookies nicht um leckeres Geb√§ck. Ein digitaler Cookie ist vielmehr eine kleine Textdatei, die w√§hrend des Surfens auf Ihrem PC, Smartphone oder Tablet gespeichert wird. Diese Textdatei enth√§lt unter anderem Details √ľber Ihr Suchverhalten, den Inhalt Ihres Warenkorbs und Produkte, die Sie w√§hrend Ihrer Recherche anklicken.

Kurzum: Die Webseite legt einen Notizzettel mit relevanten Informationen √ľber Sie an. Besuchen Sie den Online-Shop vom Vortag erneut, wird die Datei aufgerufen und die auf der Webseite angezeigten Inhalte werden von den Informationen des Cookies gespeist. Das kann die im Warenkorb abgelegte Kaffeemaschine sein oder ein Fernseher, √ľber den Sie sich informiert haben.

Grundsätzlich wird dabei zwischen den folgenden Cookie-Arten unterschieden:

  • Notwendige Cookies: Warenkorb-Cookies speichern bereits abgelegte aber noch nicht bestellte Produkte, damit Sie nicht nach jeder Browsersitzung gel√∂scht werden. Je nach Servereinstellung verfallen diese Warenkorb-Cookies nach einer vordefinierten Zeit, die von 30 Minuten bis zu mehreren Tagen reicht. Nach Ablauf dieser Zeit wird das Cookie automatisch gel√∂scht.
  • Performance oder leistungsbezogene Cookies: Der Inhalt dieser Cookies gibt Aufschluss √ľber das Nutzerverhalten auf einer Webseite. Gleichzeitig speichern sie etwaige Fehlermeldungen, die w√§hrend des Surfens auftreten, messen die Ladezeiten oder zeichnen das Verhalten Ihres Browsers auf.
  • Funktionscookies: Diese Cookie-Art ist nicht zwingend notwendig, erh√∂ht aber die Nutzbarkeit einer Seite und erh√∂ht den Komfort beim Surfen. Unter anderem ersparen sie Ihnen das erneute Eintippen Ihrer Adresse in ein Bestellformular oder Sie bekommen eine ausl√§ndische Webseite direkt in Ihrer Landessprache angezeigt.
  • Werbe- oder Targeting-Cookies: Ohne Zweifel diejenigen Cookies, die den meisten Nutzer*innen Bedenken bereiten. Ihre Aufgabe besteht darin, Ihnen zu ihrem Suchverhalten passende Werbung anzuzeigen. Das geht so weit, dass Sie auch nach dem Besuch eines Shops, Produktwerbung auf anderen Webseiten angezeigt bekommen.

Ist das Setzen von Cookies erlaubt?

Mittlerweile werden auf fast jeder Webseite Cookies verarbeitet. Allerdings d√ľrfen Webseitendienste Ihr Surfverhalten nicht mehr ungefragt dokumentieren und gesammelte Informationen verwenden. Mit Blick auf den Datenschutz und insbesondere das am 01.12.2021 inkraftgetretene Telekommunikation-Telemedien-Datenschutz-Gesetz (TTDSG), reicht es nicht mehr aus, dass Webseitenbetreiber*innen lediglich auf die Verwendung von Cookies hinweisen. Bereits am 01.10.2019 hatte der Europ√§ische Gerichtshof (EuGH) entschieden, dass vor angekreuzte Checkboxen nicht f√ľr eine wirksame Einwilligung ausreichen. Der Bundesgerichtshof (BGH) hat daraufhin in seinem Urteil vom 28.05.2020 festgestellt, dass die damals in Deutschland geltenden Regelungen aus dem Telemediengesetz (TMG), welche die ePrivacy-Richtlinie umsetzen sollten, richtlinienkonform auszulegen seien und daher f√ľr das Setzen von nicht erforderlichen Cookies eine aktive Einwilligung n√∂tig ist. Die Folge: Nutzer*innen m√ľssen die Nutzung von Cookies per sogenanntem ‚ÄěOpt-In‚Äú aktiv erlauben oder aber ablehnen k√∂nnen. Seitdem werden Sie nicht nur per Fenster auf die Verwendung von Cookies hingewiesen, sondern haben mehrere Wahlm√∂glichkeiten.

Haben Sie nichts gegen die Datenerhebung einzuwenden, bestätigen Sie auch weiterhin einfach per Klick. Falls nicht, verweigern Sie Ihr Einverständnis komplett oder wählen in einem Formular die Cookies aus, denen Sie eine Erlaubnis erteilen möchten.

Die einzige Ausnahme bilden technisch notwendige Cookies. Diese können weiterhin ohne Einwilligung gesetzt werden.

Kritik an Cookies

Seit es Cookies gibt, geben Datensch√ľtzer*innen zu bedenken, dass Nutzer*innen zu gl√§sernen Konsumenten degradiert werden. Denn schlie√ülich kann jeder Besuch einer Webseite bis ins Detail untersucht und analysiert werden. Unternehmen bringen so Details √ľber Ihre Interessen und Vorlieben in Erfahrung: Wertvolle Daten, die den Firmen bares Geld einbringen und ein wesentlicher Baustein f√ľr den wirtschaftlichen Erfolg von Google und Facebook sind.

Welche Nachteile können Warenkorb-Cookies haben?

Kritiker von Cookies geben zu bedenken, dass Nutzer sich durch das dokumentierte Surfen mehr und mehr zu gl√§sernen Menschen entwickeln, denn jeder Besuch einer Webseite wird verfolgt und untersucht. Unternehmen k√∂nnen so viel √ľber uns und unsere Interessen und Vorlieben erfahren. √úber bestimmte Programme, unter anderem von Google oder Facebook, werden mithilfe von Cookies Analysen zum digitalen Kauf- und Surfverhalten erstellt. Dar√ľber kann zum Beispiel der Weg skizziert werden, √ľber den Du zum Kauf des Produkts gelandet bist und ob es eine konkrete Werbeanzeige war, die Dein Interesse geweckt hat.

Zudem: Auch wenn die Technik und Algorithmen hinter der Verwendung von Cookies sich stets weiterentwickeln, funktionieren diese auch noch nicht zu 100 Prozent sauber. So kann auf Basis eines einmaligen Kaufes oder aber durch einen Besuch im Ausland ein falscher Eindruck zu den pers√∂nlichen Pr√§ferenzen entstehen, der nicht zu Ihrem gew√∂hnlichen Nutzerverhalten passt. Ihr Urlaub in Spanien sorgt in diesem Fall zum Beispiel daf√ľr, dass Sie — zumindest f√ľr eine gewisse Zeit — Webseiten und Werbung auf Spanisch angezeigt bekommen.

Wie sollte ich mit Cookies umgehen?

Nat√ľrlich steht es Ihnen frei, wie viele Informationen Sie im Internet √ľber sich preisgeben. Zudem haben Sie auch jederzeit die M√∂glichkeit, gespeicherte Cookies zu verwalten oder l√∂schen. Allerdings sollten Sie bedenken, dass Sie so auch auf Komfortfunktionen wie das automatische Anmelden an Ihrem Shop-Account verzichten.

So entfernen Sie Cookies in Ihrem Browser per Tastenkombination:

Strg/Cmd + Shift + Entf (Chrome/Firefox)

Diese Tastenkombination funktioniert bei allen g√§ngigen Browsern. Dr√ľcken Sie hierzu gleichzeitig die Strg/Cmd + Shift + Entf. Jetzt √∂ffnet sich ein Fenster, in dem Sie per Klick auch ausw√§hlen k√∂nnen, √ľber welchen Zeitraum hinweg gespeicherte Cookies gel√∂scht werden sollen.

Sie k√∂nnen dar√ľber hinaus auch nur Cookies einzelner Seiten l√∂schen. F√ľr ein Aufrufen von Webseiten ganz ohne Cookies empfiehlt sich der Inkognito Modus des jeweiligen Browsers. Ein solches Fenster √∂ffnen Sie √ľber die folgende Tastenkombinationen:

Strg/Cmd + Shift + N (Chrome/Safari)

Strg/Cmd + Shift + P (Firefox)

Cookies sind nicht immer l√§stig, m√ľssen aber nicht mehr automatisch hingenommen werden. Die DSGVO sch√ľtzt Ihre Privatsph√§re und entzieht Webseiten den Freifahrtschein, Werbe-, Performance- oder Warenkorb-Cookies zu setzen. Gut so! Denn so entscheiden Verbraucher*innen selbst dar√ľber, ob und wie die Informationen zum eigenen Surfverhalten f√ľr personalisierte Werbung eingesetzt wird. Voraussetzung ist allerdings, dass Sie sich eingeblendete Cookie-Banner genau anschauen. Denn viele Webseitenbetreiber tricksen, indem Sie den Button f√ľr ihr ‚ÄěJa-Wort‚Äú gr√ľn einf√§rben und quasi als einzige Auswahlm√∂glichkeit optisch hervorheben.

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Neururer L
21.03.2023

immer gute Tips. Danke

J. Kohnke
21.03.2023

Danke √ľber die L√∂sch-Tipps zu cookies!!

Ulla Levinson
21.03.2023

Ihre Artikel sind interessant und informativ. Ich f√§nde es allerdings noch besser, wenn Sie auf die diskriminierende, exkludierende und sexistische Gendersprache verzichteten. Es gibt nur eine Sprache, die wirklich alle einschlie√üt, das ist die √ľberlieferte mit dem generischen Maskulinum oder - wenn auch seltenen - Femininum. Au√üerdem werden dann auch die gar nicht so wenigen Menschen nicht mehr diskriminiert, die die Gendersprache aus verschiedenen Gr√ľnden nicht oder nur sehr m√ľhsam verstehen k√∂nnen.
Liebe Gr√ľ√üe

Oldie48
20.03.2023

Bisher war ich mit Trusted Shops zufrieden. Jetzt nicht mehr, da auch hier √ľberfl√ľssigerweise gegendert wird. Ich lehne jede Seite ab, die das macht.

Der Artikel √ľber die Cookies war sehr interessant.

Holger G.
20.03.2023

Zitat: "Seit es Cookies gibt, geben Datensch√ľtzer*innen zu bedenken, dass Nutzer*innen zu gl√§sernen Konsumenten degradiert werden."
Fällt euch denn wirklich nicht auf, wie schrecklich sich dieses krampfhafte Gendern liest? Und wenn schon Gendern, warum dann bitte nicht auch Konsument*innen. Aber noch besser - einfach bleiben lassen. Die Mehrzahl eurer Leser (nicht Leser*innen) wird es euch von Herzen danken.
Ansonsten war das ein sehr informativer Artikel...

Michelle vom Trusted Shops Team
21.03.2023

Hallo Holger G,

danke f√ľr Ihr Feedback. Wir m√∂chten mit unseren Artikeln alle Menschen ansprechen. Das Gendern ist daher Teil unserer vielf√§ltigen und inklusiven Unternehmenskultur, die wir bei Trusted Shops leben.

Beste Gr√ľ√üe, Michelle vom Trusted Shops Team

Lothar
20.03.2023

Das mit dem Ablehnen ist nicht (mehr) so einfach! Bei immer mehr Seiten muss ich entweder "Allem" zustimmen, oder f√ľr einen bestimmten Monatsbeitrag ist die Seite angeblich "werbefrei"! Ich muss also Werbung dulden oder f√ľr Werbefreiheit zahlen. Ob sich das der Gesetzgeber so vorgestellt hat?

Reinhard
02.05.2022

Insgesamt interessant

Opa Heinz
02.09.2020

Die Informationen zu Cookies sind interessant und informativ.
Leider ist es ja so, dass man das Teil, dass man bestellen möchte, ohne die Zulassung von Cookies, nicht bestellen kann, da man dann sofort abgeblockt wird. Die Firmen schaden sich eigentlich selbst damit.

Herwig Schaffler
02.09.2020

Erst durch ihren Bericht ist mir die "Gefährlichkeit" von Cookies so richtig bewusst geworden. Danke

Julian Medert
28.07.2021

Hallo Herr Schaffler,
wir freuen uns, dass Ihnen unser Artikel so gut gef√§llt und w√ľnschen viel Spa√ü beim Surfen!
Viele Gr√ľ√üe aus K√∂ln, Julian vom Trusted Shops Team

Rolf Woczinski
02.09.2020

Brauche ich meistens nicht.

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