Zugegeben — niemand denkt gerne über den Tod nach. Doch ein wichtiges Gerichtsurteil der vergangenen Woche hat einmal mehr gezeigt, dass man sich frühzeitig darum kümmern sollte, was nach dem Tod mit dem eigenen Hab und Gut passiert. Neben dem regulären Testament wird auch die digitale Nachlassverwaltung immer wichtiger. Hier erfahren Sie, warum Sie sich jetzt um Ihr digitales Erbe kümmern sollten.

In der letzten Woche ist am Bundesgerichtshof (BGH) ein wichtiges Urteil gefällt worden, das uns alle etwas angeht: Das sogenannte Digitale Erbe wird künftig nach dem Tod grundsätzlich und automatisch an die Hinterbliebenen weitergegeben. Konkret: Die digitalen Spuren, die jeder Nutzer von Computern und dem Internet dort hinterlässt, bleiben somit nicht für immer im Daten-Nirvana verborgen, sondern werden an einen Erben vermacht — so wie ein Haus oder das Ersparte. Damit ist ein wichtiger Meilenstein gesetzt worden, denn bislang blieb der digitale Nachlass unter Verschluss und war durch die Familie bzw. den Erben nicht einsehbar.

Fünf Jahre dauerte die Urteilsfällung im Fall eines 15-jährigen Mädchens, die in einem Berliner U-Bahnhof auf bislang ungeklärte Weise zu Tode gekommen war. Zunächst ging man von einem Unfall aus, doch die Eltern des Mädchens konnten dies nicht glauben und suchten nach Aufklärung. Sie hofften, über die Social Media-Profile ihrer Tochter Antworten finden zu können. Vor dem Urteil bestand für sie keine Möglichkeit, auf den Account zuzugreifen, da er nach ihrem Versterben bereits vom Betreiber in einen sogenannten Gedenkzustand versetzt worden war. Mit der Urteilsverkündung wurde den Eltern nun der Zugriff gewährt.

Nachlassverwaltung 2.0: Warum ist das wichtig?

Es kann aus vielen Gründen sinnvoll sein, sich frühzeitig mit dem eigenen digitalen Erbe zu befassen und klar zu definieren, was nach dem Tod mit den eigenen Daten passieren soll. Wir zeigen Ihnen, warum.

Online-Bestellungen und -Verträge können vererbt werden

Ob nun beim neuen Paar Schuhe, dem Streaming-Abo oder aber der online gebuchten Reise: In allen Fällen werden im Netz Verträge geschlossen. Diese Verträge werden — sofern nicht in den AGB anders vermerkt oder über eine Versicherung abgesichert — im Todesfall an den Erben übertragen. Das bedeutet, dass Ihr Erbe für Deine Online-Bestellung aufkommen und die Kosten für die Reise tragen muss.

Was bei einem Paar Schuhe vielleicht noch irrelevant wirkt, kann bei größeren Geldbeträgen die Hinterblieben in große Schwierigkeiten bringen. Über die Nachlassverwaltung lässt sich regeln, wer auf den Account, über den die Bestellung getätigt wurde, zugreifen darf. So kann dieser den Vertrag gegebenenfalls noch widerrufen, stornieren oder kündigen.

Schützen Sie Ihre Hinterbliebenen vor Missbrauch

Der bewusste Umgang mit Deinen persönlichen Daten ist wichtig -- nicht nur für Dich, auch für Deine Angehörigen.

Der bewusste Umgang mit Deinen persönlichen Daten ist wichtig — nicht nur für Dich, auch für Deine Angehörigen.

Da der Erbe im Falle von online geschlossenen Verträgen für den Verstorbenen bürgen muss, ist dieser auch im Fall von Missbrauch der Leidtragende.

Nach dem Tod können Sie selbst nicht mehr auf Ihre Daten Acht geben und Ihre Hinterbliebenen bekommen im Zweifelsfall von einem Missbrauch Ihrer persönlichen Daten gar nichts mit. Um die Hinterbliebenen vor potenziellen Schäden zu schützen, hilft es, eine klare Regelung für Ihre Accounts zu finden.

Das digitale Ich: Wo tauchen meine Daten auf?

Doch auch losgelöst vom digitalen Testament ist es wichtig, stets Klarheit darüber zu haben, wo Ihre Daten im Netz zu finden sind. Denn Sie allein sollen entscheiden dürfen, wie viel Sie von sich preisgeben möchten.

Accounts im Netz: Verschaffen Sie sich den Überblick

Die meisten von uns sind sich ihres digitalen Fußabdrucks nicht bewusst. Sie sollten sich daher zuerst einmal einen Überblick darüber verschaffen, wo Ihre Daten überhaupt auftauchen. Für Accounts in Online-Shops kann es helfen, einen Blick in Ihre E-Mails zu werfen. Anmelde- und Bestellbestätigungen, Schriftverkehr mit dem Online-Service und Newsletter-Anmeldungen können ein Indiz dafür sein, dass Sie sich bei der Webseite einen Account eingerichtet haben.

Wenn Sie in einem Online-Shop schon längere Zeit keine Bestellung mehr getätigt haben oder aber auf einer Webseite für eine gewisse Zeit schon nicht mehr aktiv waren, sollten Sie andenken, ob Sie den Account noch benötigen oder diesen gegebenenfalls löschen können. Denn: Je weniger Daten von Ihnen im Netz sind, desto weniger Verwaltungsaufwand und geringer die Missbrauchsgefahr.

Um die volle Kontrolle über Ihre Accounts und vor allem Ihre Zugangsdaten zu haben, kann ein Passwort-Manager helfen. Über diesen digitalen Schlüsselbund können Sie alle Accounts und Passwörter unter einem Master-Passwort bündeln und haben nicht nur selbst den vollen Überblick, sondern können diesen übertragen.

Umgang mit Sozialen Medien

Auch bei Accounts in sozialen Netzwerken oder bei öffentlichen Profilen ist es wichtig, stets den Durchblick zu haben. Um sich auf dem schnellsten Wege zu sortieren, kann der Identitätsschutz PLUS Identity helfen. Der Online-Scanner durchsucht das gesamte Internet nach Ihren persönlichen Daten wie dem Namen oder der E-Mail-Adresse und zeigt Ihnen an, wo diese Daten öffentlich im Netz auftauchen. Sie erhalten so eine klare Übersicht darüber, welche Social Media-Accounts unter diesen Daten zu finden sind und kannst diese so verwalten, wie Sie möchten.

In manchen sozialen Netzwerken — so zum Beispiel Facebook — können Sie einen sogenannten Nachlasskontakt angeben, der Ihr Profil nach dem Tod pflegen und verwalten kann. Dieser Kontakt kann zwar nicht vollständig auf Ihren Account zugreifen, aber Beiträge verfassen, Profil- oder Titelbild tauschen oder aber die Löschung Ihres Profils beantragen.

3 Tipps für das digitale Testament

Handgeschriebenes Testament aufsetzen

Wie auch bei der allgemeinen Nachlassverwaltung gilt: Über ein handschriftliches und unterschriebenes Testament können Sie Ihren digitalen Nachlass genau so regeln, wie Sie es sich vorstellst. Dort kann festgelegt werden, wer im Falle Ihres Todes Zugang zu welchen Daten erhält — oder eben nicht. Es kann auch sinnvoll sein, im Testament eine Vertrauensperson zu definieren, die mit der Verwaltung Ihres digitalen Erbes beauftragt wird.

Daten sortieren

Gerade bei der digitalen Kommunikation über soziale Medien kann es sein, dass Sie gewisse Informationen auch über den Tod hinaus nicht preisgeben möchten. Es ergibt daher Sinn, von Zeit zu Zeit zu überprüfen, ob Sie bestimmte Daten wie Konversationen, Posts oder Bilder nicht löschen möchten. So sind Sie zusätzlich geschützt, sollten Sie Opfer von Cyberkriminalität werden und Ihr Account gehackt werden.

Weitere Speichermedien berücksichtigen

Auch wenn heutzutage fast alles online stattfindet, zählen auch die Daten, die Sie auf physischen Speichermedien gesichert hast, zu Ihrem digitalen Nachlass. Bedenken Sie also, dass auf USB-Sticks, externen Festplatten, Speicherkarten und gegebenenfalls auch CDs wichtige Daten von Ihnen gespeichert sein können. Auch diese werden an Ihre Erben vermacht — sofern in Ihrem Testament nicht anders angegeben. Diese Medien sollten zudem ebenfalls regelmäßig überprüft und bei Bedarf Daten bereinigt werden.

Beim digitalen Erbe gilt also: Sofern Sie nichts unternehmen, werden all Ihre Daten an Ihre Erben vermacht. Deshalb ist es wichtig, früh genug darüber nachzudenken, was Sie an wen preisgeben möchten — auch, wenn Sie sich mit dem Thema am liebsten gar nicht beschäftigen möchten.