So erkennen Sie sichere Messenger

Woran erkennt man einen guten Messenger? Wir beantworten die wichtigsten Fragen, geben Tipps, wie Sie für mehr Privatsphäre sorgen können und haben einige Dienste mal genauer unter die Lupe genommen.

© Kaspars Grinvalds/Shutterstock.com

Wie oft summt, blinkt und piept Ihr Handy am Tag? Vermutlich nicht gerade selten, oder? Meist sind es unsere Chat-Apps, die sich bemerkbar machen. Die praktischen Dienste und Apps, mit denen wir uns Text- und Sprachnachrichten, Fotos und Videos senden, sind fester Bestandteil unserer Kommunikation. Doch es gibt auch viel Kritik daran – vor allem, wenn es um die Sicherheit unserer Daten geht. Was ist dran an den Vorwürfen? 

Sichere Messenger: Gehört WhatsApp dazu? Der Faktencheck

Laut einer Umfrageexternal aus dem Jahr 2018 ist WhatsApp der beliebteste Messenger in Deutschland. Und nicht nur hierzulande steht die App hoch im Kurs: Sage und schreibe zwei Milliarden Menschenexternal nutzten im Februar 2020 WhatsApp weltweit. Ist der Messenger aber auch sicher? Wir haben uns gefragt, wie das Unternehmen mit unseren Daten umgeht und mal genauer hingeschaut: Seit 2014 gehört die App zu Facebook. Und das hat Folgen für die Daten der WhatsApp-Nutzer: Die sind nun nämlich auch für alle anderen Dienste aus dem Hause Facebook verfügbar – auch, wenn WhatsApp-Nutzer gar nicht bei Facebook angemeldet sind. Nach eigener Aussage nutzt der US-Konzern die Informationen zwar in Deutschland nicht zu Werbezwecken – aber wer weiß, ob sich das nicht nochmal ändert?

Ende-zu-Ende-Verschlüsselung: Für mehr Sicherheit bei WhatsApp

Nicht nur die Weitergabe der Daten ist fragwürdig, WhatsApp ist auch in der direkten Kommunikation zwischen Nutzern nicht gerade ein Vorzeigebeispiel für sichere Messenger. So greift der Messenger beispielsweise auto­matisch auf das Telefon­buch unseres Handys zu und verschafft sich so den Zugang zu unseren Kontakten. Es gibt aber auch Positives zu berichten: WhatsApp verfügt immerhin über die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung. Dadurch können nur die tatsächlichen Teilnehmer des Chats auf die Inhalte zugreifen. Auch WhatsApp selbst hat laut eigenen Angaben keinen Zugriff auf unsere Inhalte.

So sorgen Sie selbst für mehr Datenschutz bei WhatsApp

Sie liegen nicht gerade auf der Hand, aber WhatsApp bietet seinen Nutzern die ein oder andere Möglichkeit, die eigenen Daten zu schützen. Dafür sollten Sie sich die Standard-Datenschutz-Einstellungen von WhatsApp genau ansehen. Denn diese sind ziemlich freigiebig voreingestellt. Ändern wir sie nicht aktiv, erhält jeder, der unsere Telefonnummer besitzt, die Möglichkeit

  • unser Profilbild anzusehen,
  • unseren Status (Bilder und Videos, die nur für kurze Zeit geteilt werden) zu lesen,
  • unsere Info (kurzer Satz, mit dem man sich selbst beschreiben kann) zu lesen,
  • zu sehen, wann wir das letzte Mal online waren.

Das lässt sich allerdings recht einfach verhindern – und zwar so: Gehen Sie in die Einstellungen der App und tippen Sie auf „Datenschutz“. Hier können Sie selbst bestimmen, wie viele Informationen Sie von sich preisgeben möchten. Beispielsweise können Sie hier auch die Lesebestätigungen ausschalten. So erfährt der Empfänger nicht mehr, ob und wann Sie eine Nachricht gelesen haben. Für noch etwas mehr Sicherheit können Sie der App zusätzlich den Zugriff auf verschiedene Funk­tionen Ihres Smartphones verweigern. Öffnen Sie dafür die Telefon­einstel­lungen und entziehen Sie der App Berechtigungen wie den Zugriff auf Ihren Stand­ort, Ihren Speicher oder Ihre Kamera. Aber aufgepasst: Dadurch schränken Sie die Funk­tionen der App ein. Darf WhatsApp beispiels­weise nicht auf Speicher und Kamera zugreifen, können Sie keine Fotos mehr verschi­cken.

Diese Kriterien sollten sichere Messenger erfüllen

Neben WhatsApp gibt es natürlich auch noch eine ganze Reihe weiterer Messenger, aus denen Sie auswählen können. Wenn Sie auf der Suche nach dem passenden Nachrichtendienst für sich sind und Wert auf größtmöglichen Datenschutz legen, helfen Ihnen die folgenden Tipps des BSIexternal bei der Auswahl:

Lesen Sie die Datenschutzbestimmungen

Hier können Sie genau erfahren, was ein Anbieter mit den Daten seiner Kunden macht. Werden sie verkauft, gespeichert, verschlüsselt? Die Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) sind jedoch meistens sehr lang und kompliziert. Einige Messenger bieten keine deutsche Übersetzung an.

Aus welchem Land stammt der Anbieter?

Da Datenschutzgesetze unterschiedlich streng sind, sollten Sie Messenger nutzen, die europäische oder deutsche Server für die Daten-Speicherung verwenden.

Werden Ihre Chats verschlüsselt?

Achten Sie darauf, dass möglichst alle drei der folgenden Verschlüsselungsarten unterstützt werden – und zwar auf allen Betriebssystemen und für alle zu übertragenden Daten:

  • Transportverschlüsselung: Stellt sicher, dass der Nachrichteninhalt und die Metadaten (z.B. Absender, Empfänger, Zeitstempel) auf dem Weg zwischen den Geräten der Kommunikationspartner und dem Server des Anbieters verschlüsselt sind.
  • Ende-zu-Ende-Verschlüsselung: Garantiert, dass der Nachrichteninhalt nur auf den Geräten der Kommunikationspartner im Klartext vorliegt. Auf dem Weg zwischen den Endgeräten ist der Inhalt durchgehend verschlüsselt. Auch der Dienstanbieter selbst kann die Nachrichten nicht lesen.
  • Verschlüsselte Speicherung auf dem Endgerät stellt sicher, dass private Schlüssel, Chatverläufe und andere sensible Daten auf dem Gerät des Nutzers verschlüsselt abgelegt sind.

Selbst aktiv werden: So machen Sie Ihren Messenger sicherer

Die meisten Messenger bieten die ein oder andere Chance, unsere Privatsphäre besser zu schützen. Und das funktioniert so:

  • Füllen Sie bei der Anmeldung nur die unbedingt notwendigen Felder aus.
  • Aktualisieren Sie den Messenger immer auf die neueste Version, um Sicherheitslücken zu schließen.
  • Bedenken Sie, dass Kurznachrichtendienste häufig umfassende Rechte einfordern und damit Zugriff auf Ihr Handy bekommen. Einige Messenger bieten die Möglichkeit, diesen Zugriff einzuschränken.
  • Beschäftigen Sie sich mit den Einstellungen des Messengers. Hier können Sie häufig mitreden, wer wie viele Informationen von Ihnen erhält.

Die Qual der Wahl beim Messenger: 5 Apps im Überblick

Die große Auswahl macht es vielen Nutzern nicht leicht, eine vertrauenswürdige App für ihre Kommunikation zu finden. Wir haben für Sie die Vor- und Nachteile von 5 Anbietern zusammengestellt:

Threema

Spricht dafür:

Threemaexternal vergibt eine zufällig generierte ID, unter der Sie für andere Nutzer angezeigt werden. Der Anbieter speichert nach eigener Angabe Ihre Telefonnummer und/oder E-Mail-Adresse nur auf Wunsch und jeweils verschlüsselt, um das Auffinden und die Erkennbarkeit zu erleichtern. Telefonnummern und Mailadressen Ihrer Kontakte können zwar abgeglichen werden, um Freunde zu finden, sie werden aber nicht dauerhaft gespeichert. Threema bekommt das Adressbuch nur anonymisiert und verspricht, sie zu keinem Zeitpunkt auf einen Datenträger zu schreiben und sofort wieder zu löschen.

Spricht dagegen:

Tatsächlich nicht viel! Was den Datenschutz angeht, ist Threema vorne mit dabei. Kleiner Wehrmutstropfen: Die App ist kostenpflichtig.

Signal

Spricht dafür:

Um Signalexternal verwenden zu können, müssen Sie Ihre Telefonnummer angeben. Auf Ihren echten Namen besteht die App jedoch nicht. Alle Chats sind standardmäßig Ende-zu-Ende-verschlüsselt.

Spricht dagegen:

Wenn Sie Signal verbieten, auf Ihre Kontakte zuzugreifen, macht die App Ihnen das Leben etwas schwerer: Sie müssen die Telefonnummer des Empfängers per Hand eintippen, um eine Nachricht zu versenden. Zudem gibt es keine Datenschutzerklärung auf Deutsch und das Unternehmen sitzt in den USA.

Telegram

Spricht dafür:

Bei Telegramexternal müssen Sie nicht Ihren Klarnamen angeben und der Aktiv-Status ist abschaltbar. Da Telegram Cloud-basiert ist, können Sie die App auf mehreren Geräten gleichzeitig nutzen. Auch Medien wie Videos und Fotos werden in der Cloud hinterlegt und belegen damit nicht den Gerätespeicher. Telegram verschlüsselt Ihre Nachrichten mit drei Standards.

Spricht dagegen:

Sie müssen bei der Anmeldung zwingend Ihre Telefonnummer angeben. Ob andere Nutzer Sie sehen, können Sie aber einstellen. Telefonnummern sowie Vor- und Nachnamen von Kontakten aus dem Adressbuch werden gespeichert, wenn die Kontaktsynchronisation genutzt wird. Die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung ist bei Telegram nicht standardmäßig aktiviert. Telegram bietet sie auch nur für „Secret-Chats“ an und nicht für Gruppengespräche. Die Lesebestätigung lässt sich nicht abschalten. Telegram bietet zudem die Datenschutzerklärung nicht auf Deutsch an.

Facebook-Messenger

Spricht dafür:

Für Unterhaltungen mit nur zwei Teilnehmern lässt sich die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung aktivieren – standardmäßig ist das aber nicht eingerichtet.  Ihre Telefonnummer müssen Sie bei der Anmeldung auch nicht angeben – ebenso wenig ist die Erlaubnis zum Zugriff auf die Handykontakte nötig.

Spricht dagegen:

Für Gruppenchats gibt es keine Verschlüsselung. Bei der Anmeldung müssen Sie Ihre Telefonnummer angeben. In der Datenschutzerklärung gibt Facebook an, dass Inhalte, Kommunikation und sonstige Informationen erfasst werden. Diese verwendet Facebook nach eigenen Angaben unter anderem für die Auswahl von Werbung. Auch bei einer aktivierten Verschlüsselung im Einzelchat fallen so genannte Metadaten an, die ebenfalls zur Personalisierung genutzt werden können (z.B. wann Sie wie oft und wie lange mit wem chatten).

Wikr

Spricht dafür:

In Deutschland eher unbekannt, zeichnet sich Wickr durch seine Eignung für größere Gruppen aus. Egal ob durch eine(n) Moderator*in geführte Gruppenchats oder als Konferenzlösung für Videocalls mit bis zu 70 Personen: Wickr bietet durchdachte Lösungen für den Bereich des kollaborativen Zusammenarbeitens und ermöglicht auch eine Freigabe des eigenen Bildschirms, z. B. am PC. Privatanwender*innen finden sich aufgrund der eingängigen Bedienung sofort zurecht. Stark sind auch die zahlreichen Datenschutzfunktionen und dass – anders als z. B. bei WhatsApp – keine Telefonnummer zur Nutzung notwendig ist.

Spricht dagegen:

Als größtes Manko von Wickr erweist sich hierzulande seine Unbekanntheit. Genau wie bei der Installation von WhatsApp oder Threema, durchsucht Wickr auf Wunsch die eigenen Kontakte nach verfügbaren Wickr-Nutzer*innen. Unsere Suche war in dieser Hinsicht leider erfolglos, da unter den rund 200 Kontakten des Test-Smartphones keine Wickr-Nutzer*innen gefunden wurden. Auf Seiten der unterstützten Betriebssysteme gibt es eigentlich nichts zu meckern. Allerdings setzt der Messenger auf einem iPhone oder iPad mindestens iOS 13 und bei Android-Geräten die Android-Version 5.0 oder höher voraus.

Fazit: Können wir einem Messenger vertrauen?

Generell gilt: Wer einen Messenger nutzt, muss wissen, dass er bei wirklich jedem Anbieter ein gewisses Maß an Informationen über sich selbst preisgibt. Dennoch bieten viele Apps einige Möglichkeiten, um die eigene Privatsphäre zu schützen. Wer sich also vor der Anmeldung ein wenig mit der jeweiligen App beschäftigt und vor allem die persönlichen Einstellungen überprüft, kann auch mit gutem Gewissen über das Handy kommunizieren. Hilfestellung bietet hier die Verbraucherzentrale mit einem Schnell-Überblickexternal über die Plus- und Minuspunkte der gängigen Apps. Was es generell im Umgang mit Apps zu beachten gilt, erklären wir Ihnen hier.

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Holger
02.09.2020

Man muss *für sich* einen sicheren Messenger wählen, also Signal oder Telegram.

Auf die Allgemeinheit hat man keinen Einfluss, und bei der ständig und rasch steigenden Komplettverblödung des Nachwuchses hat es eh keinen Sinn, auf Einsicht zu hoffen. Sollen sie doch in ihrem eigenen Unrat krepieren! Hoffentlich!

Freie Messenger
02.11.2018

Zu diesem Thema gibt es informative Inhalte auf der Seite des ehrenamtlichen Projektes „freie-messenger.de“. Insbesondere der Abschnitt “Sicherheit” sowie “Berufsgeheimnisträger” sind erwähnenswert:
https://www.freie-messenger.de/einfuehrung/#sicherheitexternal
https://www.freie-messenger.de/geheimnisse/geheimnistraegerexternal

Yo!
12.08.2018

Zitat:
Sollten Sie WhatsApp nun nicht mehr nutzen wollen, müssen Sie darauf achten, Ihren Account vor der Deinstallation auch zu löschen. Nur dann werden Ihre persönlichen Informationen vollständig gelöscht.
Zitat Ende
Wer's glaubt! Einmal eingegebene / gepostete Daten sind wie Worte: Man kann sie nicht zurück holen!
Dass XMPP erst in den Kommentaren auftaucht, jedoch alle proprietären Anbieter genannt werden, finde ich äußerst bedenklich.

Uwe
06.08.2018

Man sollte nicht XMPP (ist das frühere Jabber) vergessen. Dezentrale Serverstruktur und außer Kennung (sieht wie eine E-Mailadresse aus) und Passwort braucht man nichts beim Serverbetreiber eingeben. Mit z.B. Conversations oder ChatSecure (für iOS) kann man mobil chatten und Bilder versenden. Verschlüsselt wird heute mit Omemo das ist im Programm automatisch vorhanden.

B. H.
05.08.2018

Sichere Messenger hin od. her! Die bringen gar nichts, wenn deine Kontakte nicht mitziehen. Habs schon versucht, aber ohne Erfolg. Alle wollen nur bei Whatts Up bleiben.

Michael
06.08.2018

What's "Whatts Up"?

Logo
05.08.2018

Signal; threema

AnDi
05.08.2018

Nee, auser Hundybabys und Katenwelpen poste ich mit WhatsApp nix. Nur belangloses Zeug. Da es zur Datenkrake Facebook gehört mit absoluter Vorsicht zu verwenden! Ende zu Wmde Berschlüssellung ist bei WhatsApp wohl so gemeint, das der Weg vom Smartphone zum server verschlüsselt ist aber auf Server definitiv ausgewertet und gelesen werden kann. Geht garnicht! Das die Server in den USA und Irland stehen verschlimmert das ganze zusätzlich!
Da empfehle ich eher Threma, Server in der Schweiz und Daten wirklich verschlüsselt, vom Sender bis Emfänger !

Johannes
05.08.2018

Wer noch WhatsApp und Facebook nutz, ist selbst Schuld!
Ich war bei Facebook, einmal und nie wieder, bin enttäuscht, ich konnte mich allerdings erfolgreich komplett abmelden.
Zur Zeit nur per mail oder Telegram, oder einfach mal anrufen.

Luke
05.08.2018

Ein wichtiger Aspekt fehlt: Audits. Jeder kann behaupten sein Messenger sei verschlüsselt, Daten würden nicht gespeichert, etc. Glauben sollte man das nicht einfach. Signal zB hat seinen Code offenliegen und bei mehreren Untersuchungen von unabhängigen Sicherheitsforschern wurden keine Unregelmäßigkeiten gefunden.

Oliver
05.08.2018

Ich empfehle THREEMA, sichere Qualität aus der Schweiz :-)

Ekkehard
07.08.2018

Ich empfehle auch Threema und nutze es regelmäßig.

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