Die Schallplatte hat etwas Sinnliches. Nicht nur wegen der Haptik, nein, es ist der Moment, wenn man sie aus der Hülle holt. Ja – aus dieser riesigen flachen Pappschachtel, auch Cover genannt. Und die ist fast immer auch ein Ereignis: ein gedrucktes Kunstwerk, das ich während des Abspielens der Scheibe gerne betrachte. Weil ich dann eine Verbindung herstelle zwischen Musik und dem sogenannten Artwork.

Gelungenes Comeback der Schallplatte

Sie war fast verschwunden – und ist nun wieder da. Was für ein Comeback!
Innerhalb der ersten neun Monate 2016 sind bereits so viele Schallplatten verkauft worden wie im gesamten Jahr 2015, wie der Bundesverband Musikindustrie (BVMI) mitgeteilt hat.
Insgesamt gingen zwischen Januar und September 2,1 Millionen Vinyl-Alben über die Ladentische, 50 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Entsprechend hoch ist auch das Umsatzplus: 47 Millionen Euro wurden durch die Vinyl-Verkäufe in den ersten drei Quartalen generiert, ein Wachstum von rund 49 Prozent. Die Schallplatte erlebt damit seit 2007 eine bisher ununterbrochene Aufwärtskurve.

„Bei einem Anteil von 4,3 Prozent am Branchenumsatz ist Vinyl zwar noch immer ein vergleichsweise kleines Marktsegment, aber angesichts der erneut hohen Verkaufszuwächse von rund 50 Prozent kann man sagen, dass es sich nicht mehr um eine reine und kleine Liebhaberecke handelt. Das mag auch damit zusammenhängen, dass die zunehmende Digitalisierung unserer Welt bei vielen den Wunsch nach analogen Ankerpunkten hervorruft.“

so BVMI-Geschäftsführer Dr. Florian Drücke.

Die Welt ist eine Scheibe – voll mit Emotionen

Was hat sich der Künstler dabei gedacht? Inwieweit ist das Cover repräsentativer Ausdruck der Musik, die ich da höre? Und dieses Knistern. Charmant. Geschichtsträchtig. Eine Wohlfühlatmosphäre macht sich breit, Wellness für die Ohren.
Analog ist hier die Brücke. Zum Empfänger, dem Humanoiden, der mit rund 37 Grad Körpertemperatur wohl das analoge Gegenstück zur Schallplatte bildet. Im übertragenen Sinne. In diesem, einen Moment. Dann, wenn ich lausche, wenn ich genieße und mich fallen lasse in diese wundersame akustische Welt voller Knacken, Rauschen und Knistern.

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Ich muss den Arm des Schallplattenspielers vorsichtig anheben, die Nadel sanft in die Rille senken (lassen – bei der Automatik). Das alles ist wie ein Ritual. Es erfordert Sorgfalt und ein wenig Geschick. Eine Wertschätzung für die Kunst. Es hat etwas Erhabenes.
Respektvoll betrachte ich, wie sich eine Scheibe gut eine halbe Stunde lang um die eigene Achse dreht, um dann aufzustehen (ächz!) und sie umzudrehen. Ja, umdrehen. Platten wollen das so. Im Zeitalter der CD oder der Streams bin ich auch einfach auf der Couch eingeschlummert und nach dem dritten Track erwacht, als es bereits still war. In der Regel. Jetzt lausche ich und denke: gleich umdrehen, nicht einschlafen bitte. Klappt meistens.
Denn zum Relaxen und Gedanken schweifen lassen höre ich Musik, seit mich in der Pubertät die Rockbands der frühen Achtziger dazu genötigt haben. Ein Erweckungserlebnis damals, natürlich auf LP, also Vinyl, also auf Schallplatte.

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Wer Platten hört, entdeckt auch plötzlich Schätze in alten Umzugskisten oder auf Flohmärkten. Aber auch das Angebot an Neupressungen ist rasant gestiegen. Selbst Saturn oder Mediamarkt führen wieder LP-Regale und erweitern ihr Sortiment ständig. Und wer Rares oder Ausgefallenes sucht, wird ganz sicher bei bear-family.de fündig.